Flüchtlingscamp Moria

Flüchtlingscamp Moria

Der vermeidbare Tod eines 16-jährigen Jungen

Schreckliche Nachrichten erreichen Deutschland aus dem Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos. In der Nacht auf den Ostersonntag verlor ein 16jähriger Junge - aufgrund der völlig unzureichenden Gesundheitsversorgung - sein Leben.

Von Korrespondenten
Der vermeidbare Tod eines 16-jährigen Jungen
Die Demonstration im Moria Camp (Foto: privat)

In der Mail heißt es: "Letzte Nacht haben wir einen minderjährigen Jungen im Alter von 16 Jahren verloren, weil wir hier kein gutes medizinisches Material hatten, der Junge blutete viel. Wegen der Blutung starb er." Aufgrund der Abriegelung des Camps steigt dort auch die Gewalt, heißt es in der Mail.

Flüchtlinge fordern Sicherheit

Am Sonntag gab es daraufhin eine Demonstration der Menschen in Moria, über die sie berichten: "Wir sind hier, um eine friedliche Demonstration zu machen, da es viele Probleme im Lager gibt. Wir wollen nicht mehr kämpfen. Unsere Forderungen an die griechischen Organisationen, die griechische Regierung, an UNICEF und andere Organisationen, die alle für die Flüchtlinge arbeiten, unsere Forderungen sind, dass Moria für jeden Flüchtling aus jedem Land sicher sein muss."

 

Neben dem Flüchtlingslager Moria bestehen noch zwei weitere Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos. Eines davon für Familien direkt an der Küste, ein weiteres für unbegleitete Minderjährige. Der ursprünglichen Struktur ist nur auf 3.000 Menschen ausgelegt – hinzu kommt der Teil, in dem Menschen in Zelten und behelfsmäßigen Unterkünften etwa aus Plastikplanen leben.

 

Das Lager besteht seit November 2015. Seit Frühjahr 2016 ist es hauptsächlich Abschiebezentrum zur Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens vom 18. März 2016 zur Rücknahme der von der Türkei kommenden Flüchtlinge.

 

Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler besuchte das Camp im Mai 2019 in seiner Funktion als Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats. Darüber berichtet er in seinem Buch "Die Schande Europas". Das aktuelle Rote Fahne Magazin stellt dieses Buch vor:

 

"Wie es Jean Zieglers Art ist, geht er mitten unter die Menschen, spricht intensiv mit ihnen und beobachtet genau. So werden bewegende Schicksale lebendig – die Geschichte von Waisenkindern, oder von Familien, deren Existenz in ihrer Heimat von einem Tag auf den anderen zusammengebombt und ein Teil der Familie ausgelöscht wurde. Und die jetzt im Matsch unter Plastikplanen hausen und sich mit 100 anderen eine Toilette und mit 150 eine (kalte) Dusche teilen müssen." (zur Buchvorstellung)

 

Die Hilfsorganisation Solidarität International hat einen Solidaritätspakt mit den Flüchtlingen und den Bewohnerinnen und Bewohnern von Lesbos geschlossen bzw. mit der Selbstorganisation Initiative OXI – Lesvos resists Corona. Darin vereinbaren die Unterzeichner den ständigen Meinungs- und Erfahrungsaustausch und verpflichten sich, die Öffentlichkeit und Presse in Deutschland darüber zu informieren.

 

Folgende Punkte umfasst der Pakt „Soforthilfe für Flüchtlinge und Bewohner der griechischen Inseln“:

 

  • den gemeinsamen Einsatz für die sofortige Evakuierung sämtlicher Lager auf den ägäischen Inseln, verbunden mit der Verbreitung der Petition „Corona: Flüchtlinge aus Hotspots retten – Abschiebungen stoppen – Sofort!
  • begleitende Sofortmaßnahmen der umgehenden Verbesserung der Verhältnisse in den Lagern (z.B. Trinkwasserversorgung und Hygieneanleitung);
  • die Organisierung einer Spendensammlung;
  • Prüfung und Organisierung weiterer Unterstützung wie zum Beispiel Sammlung von Nähmaschinen, Stoffen, Atemmasken zur Weitergabe in das Lager, sofern sich Möglichkeiten des Transports ergeben;
  • Bekanntmachung und Unterstützung der Selbstorganisation der Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit den griechischen Bewohnern;
  • den Meinungs- und Erfahrungsaustausch sowie Öffentlichkeitsarbeit über die Verwirklichung es Projektes gegen Corona, aber auch gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik der EU. Solidarität International arbeitet dabei v.a. mit der Mitgliedsorganisation Freundeskreis Alassa & friends zusammen, die in Deutschland wichtige Beiträge zur Selbstorganisation der Flüchtlinge leistet;
  • für Ende 2020 oder 2021 die Prüfung eines Urlaubsprojektes mit dem Reisebüro People to People nach Lesbos, als Unterstützung für den darniederliegenden Tourismus.

 

Bereits am 9. April waren 19.830 Euro an Spenden bei SI eingegangen.

Traurige Grüße aus Moria
Traurige Grüße aus Moria

Spendenkonto von Solidarität International

  • Stichwort: Moria/Lesbos
  • Kontoinhaber: Solidarität International eV
  • IBAN: DE86 5019 0000 6100 8005 84
  • BIC: FFVB DEFF (Frankfurter Volksbank)

Solidaritätsbewegung wächst

Zur Solidarität mit Flüchtlingen demonstrierten gestern Abend in Köln mindestens 60 Menschen. Die Polizei versuchte, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu verhaften. Heute morgen veröffentlichte Rote Fahne News ein Video zu einem brutalen Polizeieinsatz gegen eine Demonstration in Frankfurt am Main am 3. April. Aus Marktoberdorf berichtet ein Migrant aus der Türkei telefonisch, dass er jetzt schon zum dritten Mal im letzten dreiviertel Jahr verlegt wurde. In seiner aktuellen Unterkunft waren bis zu 7 Personen in einem Zimmer untergebracht.

 

Auf Grund von Protesten im Zusammenhang mit Corona und der Ankündigung diese Zustände öffentlich zu machen haben sich die Verhältnisse etwas verbessert. Ob es den Verlegten besser geht, ist unklar. Die Flüchtlinge bezeichneten den Zustand als „öffentliches Gefängnis“. "Das zusammenpferchen der Flüchtlinge ist um so mehr ein Skandal, als ein gegenüber liegendes Gebäude leer steht und auch genutzt werden könnte", so der Betroffene.

 

Für Empörung sorgt bundesweit die ach so "großzügige" Bereitschaft der Bundesregierung, ganze 50 unbegleitete Minderjährige von Lesbos aufzunehmen. Obwohl in den Camps, die für 8000 Menschen konzipiert sind, derzeit  über 40.000 Menschen leben müssen. Dagegen hat die Initiative Alassa und Friends die oben verlinkte Petition und Öffentlichkeitsarbeit gestartet.