Leserbrief
„Die Pest“ von Albert Camus ist stockreaktionär
Zur Kurzmeldung eines Korrespondenten "'Die Pest' von Albert Camus im Videoformat" vom 11. April erreichten uns kritische Zuschriften. Wir veröffentlichen an dieser Stelle einen Leserbrief aus Kassel:
In dem Artikel vom 11. April wird der Roman als „bürgerlich-humanistisch“ bezeichnet. Das ist völlig unkritisch und falsch. Rote Fahne News hat selbst am 7. November 2013 geschrieben, dass „Die Pest“ jeglichen Sinn des Lebens bezweifelt. Was hat das mit Humanismus zu tun?
Die Werbung des Oberhausener Theaters, auf die man klicken soll, sagt ausdrücklich, man solle durch das Stück die „bewusste Anerkennung des Absurden“ als sinnhaft erkennen. Diese Doktrin des Absurden durchdringt bei Camus alles. Der Hauptheld in „Die Pest“, Rieux, sagt zum Beispiel: „Es hat auf Erden so viele Pestseuchen wie Kriege gegeben. Und doch finden Pest und Krieg die Menschen gleich wehrlos.“ In diesem Sinne kämpft Rieux einen absurden Kampf gegen die Pest. Dieser Agnostizismus ist Ausdruck einer kleinbürgerlich-individualistischen und -negativistischen Denkweise, die wir nicht propagieren, sondern prinzipiell ablehnen.
Die Welt ist mit der dialektischen Methode prinzipiell erkennbar und man kann sie ändern, wenn man ihre Gesetzmäßigkeiten zugrundelegt. Es ist kein Zufall, dass Werke wie „Die Pest“ heute so propagiert werden – das ist ein weltanschauliches Mittel der Monopole, die Ursachen der Pandemie wie der verschiedenen anderen Krisen zu vertuschen und die Massen in Resignation zu treiben. Ich möchte dazu auffordern, diese weltanschaulichen Fragen weiter verstärkt zu verfolgen. Der Beginn könnte eine Selbstkritik der Redaktion Rote Fahne sein.