Gelsenkirchen

Gelsenkirchen

Die geschätzte exakte Statistik des Herrn Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verbreitet Zuversicht: „Der Ausbruch ist Stand heute berherrschbar und beherrschbarer geworden.“

Von Günter Wagner, Arzt

Und weiter: "Nun können wir sagen, das war (unsere Maßnahmen) erfolgreich. Wir haben es geschafft, das dynamische Wachstum zurückzubringen zu einem linearen Wachstum.“ (WAZ vom 18.4.2020)

 

Dieser großmäulige Auftritt von Herrn Spahn bedarf einer bescheidenen wissenschaftlichen Untersuchung. Bis vor einer Woche (12.4.) waren gerade mal 2,2 Prozent der Bundesbürger getestet worden, davon knapp 130.000 infiziert. Während über die Osterfeiertage die täglichen Zuwachsraten an getesteten Infizierten auf unter 3.000 zurückgingen (da wurde wohl noch weniger getestet als sonst), steigen sie in den letzten Tagen wieder auf über 3.000 an, zuletzt 3.600. Und das nennt Herr Spahn „das dymnamische Wachstum zurückzubringen“!

 

Beim medizinischen Personal ist die Zahl der als infiziert Getesteten dauernd und zuletzt sprunghaft auf über 7.000 Infizierte angestiegen. Aber für Herrn Spahn ist der Stand heute „beherrschbar“.

 

Noch ein letztes zu der sogenannten Reproduktionszahl. Dazu kann man auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts (RKI) lesen: „Die Reproduktionszahl R ist die Anzahl der Personen, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden. Diese lässt sich nicht aus den Meldedaten ablesen, sondern nur durch statistische Verfahren zum Beispiel auf der Basis des Nowcastings schätzen.“

 

Herr Spahn mag sich mit den Börsennotierungen der Pharmaindustrie auskennen, aber in den Niederungen des täglichen Lebens beherrscht er nicht einmal den einfachen Dreisatz.