Albstadt

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„Die Gemeinschaft macht uns stark...“

"Die Gemeinschaft macht uns stark...“, so beginnt der Refrain eines unserer Balkonlieder nach der Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Seit dem 16. März singen wir täglich zusammen. Eine Nachbarin hatte die Idee und schnell fanden sich Mitsänger.

Korrespondenz

Um 18 Uhr füllen sich die Balkone. Liederhefte werden aufgeschlagen, die immer wieder mit neuen Vorschlägen aus der Nachbarschaft aktualisiert werden . Von „Der Mond ist aufgegangen“ bis „die Gedanken sind frei“ ist für jeden was dabei. Zum Auftakt ertönt immer: „Gut wieder hier zu sein“, von Hannes Wader aus der großen Box und am Ende andere bekannte Songs. Sonntags: „Freude schöner Götterfunken“. Und ganz wichtig: wir klatschen jedes Mal für all die Menschen, die den ganzen Laden am Laufen halten. Unser Moderator begrüßt alle mit einer kleinen aktuellen Ansprache. Gesungen wird eine Auswahl von vier bis fünf Liedern und es wird streng darauf geachtet, dass es dabei möglichst gerecht zugeht. Wünsche werden immer berücksichtigt. Und einfach Zuhören ist auch erlaubt. So wie ein junger Nachbar, der freitags seine Wasserpfeife draußen raucht.

 

Inzwischen hat sich ein fester Zuhörerkreis aus umliegenden Gärten, auf dem Bürgersteig usw. gebildet. Hundespaziergänger und Radfahrer winken. Kinder klatschen. Auch die Polizei sieht man hin und wieder vorbeifahren.

 

Das ist überhaupt das Beste neben dem Singen: die herzliche Stimmung, ein Gemeinschaftsgefühl und neues Interesse aneinander. Geburtstagskindern wird ein Ständchen gesungen, es wird füreinander eingekauft, Tipps zum Brotbacken und Nähen von Schutzmasken werden ausgetauscht, Mut zugesprochen, wenn sich einer schlecht fühlt und zuweilen sehr lebhaft über die aktuelle Lage debattiert. Und es ist üblich geworden, dass man sich entschuldigt, wenn man nicht dabei sein kann. Heute schon gibt es den Traum von einem Corona-freien Hoffest.