Nordafrika

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Solidarität über Ländergrenzen hinweg!

Couscous, Datteln, Honig, Tomaten, Aprikosen, Melonen, Zitrusfrüchte – all diese wunderbaren Nahrungsmittel werden in Ländern wie Tunesien und Marokko von landwirtschaftlichen Arbeiterinnen und Arbeitern produziert.

Von nek
Solidarität über Ländergrenzen hinweg!
Frauenprotest in Marokko 2019 (rf-foto)

Täglich landet es frisch in den Regalen der Supermärkte. Marokkanische Arbeiter produzieren den Dacia, fertigen Renault-Teile, tunesische Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiten in der Textilindustrie und in der Zuliefererindustrie für deutsche Automobilproduktion.

 

Die Menschen in diesen Ländern leiden genau wie wir in Deutschland unter dem Virus, unter der Unterdrückung, unter wachsender Armut und Bedrohung der Lebensgrundlagen. Über 50.000 Menschen wurden in Marokko erkennungsdienstlich behandelt, weil sie Ausgangssperren verletzt hätten, 27.000 davon inhaftiert. Den Massen wird die Schuld gegeben, dass die Infektionen weiter steigen. Für sehr viele Menschen bedeuten die Ausgangssperre und die Einstellung des Zugverkehrs, dass ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird. Denn 2,4 Millionen arbeiten im sogenannten „informellen Sektor“, das sind Haushaltshilfen und Pflegerinnen in privaten Haushalten, fliegende Händler, Kellner usw. Hinzu kommen die vielen Arbeiterinnen und Arbeiter der saisonalen Beschäftigung in der Landwirtschaft. Die Medien berichten, dass Algerien, Marokko, Tunesien und Ägypten durch die Nähe zu Europa  von allen afrikanischen Ländern prozentual besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind.

 

Laut der Internetseite Qanrtara habe sich die Zahl misshandelter Frauen seit der Ausgangssperre verfünffacht und Tunesien habe nur acht Frauenhäuser! Die tunesische Frauen- und Familienministerin verspricht, ein Gesetz aus dem Jahr 2017 stärker anwenden zu wollen, nachdem aggressive Ehemänner des Hauses oder der Wohnung verwiesen werden können.

 

Da ist es beschämend, dass Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) jetzt nichts Besseres einfällt, als auf den Zug der Tourismuskonzerne aufzuspringen: Laut der Funke Mediengruppe sieht er 2020 „Chancen für Urlaub in der Mittelmeerregion einschließlich Nordafrikas". Der Tourismus sei für Tunesien, Marokko oder Ägypten "ein wichtiger Wirtschaftszweig.“