Hagen

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TWB-Kollegen verdienen größten Respekt

Ein Jahr ist es her, dass die kämpferische TWB-Belegschaft in Hagen mit acht selbstständig organisierten Demonstrationen durch die Stadtmitte zusammen mit der Montagsdemo Hagen für Furore sorgte. Sie machte deutlich, dass sie die vom Prevent-Konzern ausgesprochenen 290 Entlassungen, ein Großteil der 450 Arbeiter und Angestellten, nicht akzeptiert.

Von Korrespondenz
TWB-Kollegen verdienen größten Respekt
Polizeieinsatz gegen die TWB-Belegschaft am 1. Mai 2019 in Hagen (rf-foto)

Mit der Gründung und der Arbeit eines Solidaritätskreises, der Erstellung und Verabschiedung einer Erklärung zu ihren Absichten und Zielen und der massenhaften Verbreitung auch vor anderen Betrieben hat der von der MLPD und der Montagsdemo in Hagen unterstützte Kampf der TWB-Belegschaft bis heute eine breite Symphatie und Ausstrahlung in die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in Hagen und Umgebung.

 

Der Höhepunkt war die Durchsetzung des Rederechts am 1. Mai 2019 in Hagen, mit dem die Kollegen auch ihre Lehren aus dem Kampf für andere Belegschaften verallgemeinerten. Sie kritisierten dabei auch die IG-Metall-Führung, die sie im Stich gelassen hat und traten dafür ein, dass die Gewerkschaft eine Kampforganisation für die Arbeiterinteressen sein muss.

Rote Linie durch den Betrieb

TWB ging weiter unverfroren vor. Von heute auf morgen standen die übrig gebliebenen Arbeiter im Herbst 2019 ausgesperrt vorm Tor. Im September teilte Prevent den Betrieb in zwei Teile. Ein Teil sollte als TWB weiter noch die Autositze für Ford produzieren. Ein zweiter größerer Teil wurde als Presswerk GmbH rechtlich abgetrennt, mit einer „neuen“ Geschäftsführung (ein Mitglied der Geschäftsführung war davor Betriebsleiter bei Prevent und davor ehemaliger Betriebsratsvorsitzender).

 

Sie stellten Arbeiter nach ihrem Gutdünken ein. Die ganze Teilung der Betriebe bestand darin, eine rote Linie im Betrieb zu ziehen, die keiner übertreten durfte. Vor allem wurde damit die kämpferischen Betriebsräte ausgebootet, weil es in der neuen Presswerk GmbH keinen Betriebsrat gibt.

 

Jetzt soll der Rest des TWB Werk in Hagen zum 31. Juli 2020 stillgelegt werden. Bis heute sind jedoch die zwei Wellen von Massenentlassungen der TWB-Arbeiter gescheitert. 170 Kollegen klagten gegen ihre Entlassung im letzten Frühjahr. Viele von ihnen wurden von der Arbeit „freigestellt“ und weiter bezahlt, unter anderem weil sie bis zu sieben Monate Kündigungsfristen hatten.

Fiasko vor Gericht

Die Arroganz der Prevent-Manager, die sich weigerten, mit den kämpferischen Betriebsräten, die selbst mit an der Spitze der Kämpfe standen, zusammenzuarbeiten, wurde vor Gericht deutlich. Ob schwerbehindert oder nicht, willkürlich wurde gekündigt und auch gegen Auflagen der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat verstoßen. Prevent verlor deshalb alle Kündigungsschutzprozesse. Auch in der Revision vor dem Landesarbeitsgericht erlebten sie eine Niederlage nach der anderen.

 

Alle 170 Kollegen erhielten daraufhin eine erneute Kündigung, gegen die viele Kollegen erneut vorm Arbeitsgericht Hagen klagen. Auch hier erlebt TWB ein Fiasko. Die Arbeiter gewannen die ersten Kündigungsprozesse alle wieder. Mittlerweile erhöht TWB das Abfindungsangebot von 3.000 Euro auf 13.000 Euro, stellt aber die freche Bedingung, dass die erste Kündigung vom 29. Januar nachträglich anerkannt werden muss und die anderen 169 Kläger auch mitziehen müssten. Das ist nicht zu akzeptieren.

Kampf geht weiter

Nach über einem Jahr des Kampfs gegen die Massenentlassungen geht der Kampf der Belegschaft weiter. Die TWB-Kolleginnen und Kollegen verdienen größten Respekt und weiter Solidarität. Die Kündigungen, die Stilllegung des TWB-Betriebs muss vom Tisch, die willkürliche Aufteilung des Betriebs zur Verhinderung der kämpferischen gewerkschaftlichen und Betriebsratsarbeit kann nicht hingenommen werden. Das wird selbstverständlich auch am diesjährigen 1. Mai Thema sein.