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Der Sozialismus gehört auf den 1. Mai

Über 70 Menschen, darunter die genehmigten 50 festenTeilnehmerinnen und Teilnehmer, lauschten der vom Internationalistischen Bündnis initiierten Mai-Kundgebung auf dem Marktplatz von Essen-Katernberg, einem Stadtteil mit Bergarbeitertradition. Vorausgegangen war ein zäher Kampf gegen die Versuche der Essener Stadtverwaltung, Mai-Kundgebungen generell zu verbieten.

Korrespondenz
Der Sozialismus gehört auf den 1. Mai
Foto: RF

Besonders hatte sie es dabei auf die revolutionären Kräfte abgesehen. Erst am Vorabend um 21 Uhr kam der Beschluss des OVG Münster, dass diese Kundgebung stattfindet, jedoch aus der Innenstadt verbannt wird. Umso größer ist der heutige erkämpfte Erfolg zu bewerten.

 

Die Kundgebung wurde eröffnet mit dem Steigerlied und beendet mit der Internationale. Sie bestach durch Tiefgang, Optimismus und Kampfgeist. Folgende Beteiligte hielten kurze Ansprachen: Kolleginnen und Kollegen von Evonik und dem Uniklinikum, MLPD, Jugendverband Rebell, BirKar, Frauenverband Courage, Rebellion Ruhr, Initiative „Gerechtigkeit für Adel B." und Umweltgewerkschaft.

 

Die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner, die im Stadtteil Katernberg vor Ort aktiv ist, prangerte in einer aufwühlenden Rede die menschenverachtenden Verhältnisse im Kapitalismus an, wo aus Konkurrenzgründen z.B. die Bundesregierung zehntausende ungenutzte Intensivpflege-Betten nicht für ausländische Corona-Patienten freigibt, und von „gutem Krisenmanagement" redet. Sie griff den Antikommunismus an, der z.B. in den USA so dreist ist, die Corona-Toten dem Kommunismus anzulasten.

 

Nicht der Kommunismus, sondern der Kapitalismus stehe hier auf der Anklagebank! Darum sei höchste Zeit, überall über den Sozialismus zu sprechen und die antikommunistischen Denkverbote dazu zu überwinden. Bewegt hat alle auch der Beitrag der Mutter von Adel B., einem jungen Mann mit psychischen Problemen, der von der Polizei bei einem Einsatz ohne Not erschossen worden war. Er wäre genau heute 33 Jahre alt geworden. Umso empörter waren alle, dass die Polizei nach Ende der Kundgebung die Personalien von Mitgliedern der Initiative aufnahm, weil diese ein Transparent hielten „Adel B – das war Mord". Gegen alle Repressionen wird künftig enger zusammen gearbeitet.

 

Eine Delegation nahm anschließend an der Kundgebung eines Aktionsbündnisses in der City teil, welches von verdi-Kolleg*innen und verschiedenen Kräften initiiert wurde. Auch diese Kundgebung mußte juristisch durchgefochten werden. Auch hier gab es kämpferische Beiträge aus den Betrieben. Im Vorfeld wurde jedoch per Mehrheitsbeschluss durchgesetzt, dass Parteien nicht sprechen dürfen, sondern stattdessen Kollegen „aus verschiedenen Spektren". Ergebnis war, dass die notwendige revolutionäre Alternative zum Kapitalismus, ja das Wort „Sozialismus", nicht einmal vorkam. Und das am 1. Mai, dem Tag, an dem die Arbeiterbewegung seit jeher den Blick weitet über den täglichen Kleinkrieg gegen das Kapital hinaus. Als opportunistischen Kniefall empfanden viele, als Peter Köster, seines Zeichens OB-Kandidat der DKP und Moderator, am Ende sozusagen als Schusswort unterstrich, dass grundsätzlich nur die Gewerkschaften die Breite und Kraft hätten, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern. Auch aus Kritik daran stimmten Teilnehmer, initiiert von der MLPD, danach die letzte Strophe der Internationalen an. Diese Auseinandersetzung wird sicher weiter geführt werden – gerade jetzt in den Krisenzeiten.