Köln

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Gemeinsame Kundgebung des Internationalistisches Bündnisses

"Hoch die Internationale Solidarität" schallte es aus 150 Mündern gleich zu Beginn der Maikundgebung des Internationalistischen Bündnisses in Köln.

Korrespondenz
Gemeinsame Kundgebung des Internationalistisches Bündnisses

Auf dem Heumarkt, wo traditionell die Maikundgebung des DGB stattfindet, hatten sich statt der offiziell genehmigten 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer weit mehr - nämlich rund 150 - eingefunden. 20 standen in dem von den Behörden genehmigten abgezirkelten Kreis, die anderen außen herum.

 

Die beteiligten Parteien und Organisationen (ATIK, ADHK, Yasanacak Dünya, Halk Cephesi, Vertreter der kurdischen Jugend, MLPD, Jugendverband REBELL, Frauenverband Courage, Umweltgewerkschaft, IG-Metall-Mitglieder und weitere) griffen mit Forderungen auf ihren Fahnen, Schildern und Transparenten und in kurzen Ansprachen das Krisenmanagement der Regierung an, entlarvten deren Versagen als völlige Unterordnung unter das Profitsystem. Sie forderten konsequenten Gesundheitsschutz für die Massen und das Leben in einer befreiten Gesellschaft.

 

Das Ford-Management, so berichtete ein Ford-Arbeiter, habe noch Anfang März abgewiegelt, man solle nicht übertreiben mit der Gefahr von Corona. Hände waschen reiche völlig aus, die Arbeit könne so weiterlaufen wie bisher. Als dann die Zulieferer nicht mehr lieferten, sei die Produktion eingestellt worden. In einigen Bereichen sei weitergearbeitet worden und erst mit einer Arbeitsniederlegung hätten die Arbeiterinnen und Arbeiter erzwungen, dass zumindest der Schichtwechsel zeitlich entzerrt wurde, auf Kosten von Ford.

 

Vor allem aber griffen alle Rednerinnen und Redner den Kapitalismus und den Imperialismus an, der nicht fähig und willens ist, die Pandemie wirkungsvoll zu bekämpfen. "Der Kapitalismus ist das Virus, Sozialismus ist die Lösung", so brachte es ein Transparent auf den Punkt. Türkische Migranten berichteten, dass die faschistische Erdogan-Regierung Schwerverbrecher aus den Gefängnissen, die Hotspots für die Verbreitung des Virus sind, entlassen hat, aber nicht die politischen Gefangenen. Diese seien extrem schlecht versorgt, die Regierung setze skrupellos darauf, dass viele von ihnen durch das Virus umkommen.

 

Der Redner der MLPD führte unter anderem aus: "Wenn irgendetwas in der Krise deutlich wird, dann das: Es ist die Initiative, der Elan und die Disziplin der Menschen, die Corona etwas entgegensetzt. Das ist es, was den Sozialismus in seinem Kern ausmacht und beflügelt. Er bringt diesen Elan nach vorn, befreit ihn von den Fesseln des Profitsystems.

 

Dann könnte auch einer solchen Pandemie ganz anders begegnet werden, gestützt auf die Massen, statt gegen sie. Durch umfassende Vorsorgemaßnahmen, Einstellung der Menschen darauf, internationale Kooperation bei der Forschung nach Medikamenten und Impfstoffen sowie den Ausbau eines kostenlosen Gesundheitswesens."

 

Die Vertreterin des Frauenverbands Courage ging auf die besondere Situation der Frauen und Familien in der Corona-Krise ein, aber auch auf den gemeinsamen Protest und die dafür notwendige Solidarität.

 

Diese kämpferische Aktion schien den Vertretern des Ordnungsamtes nicht zu gefallen: sie drängten mit persönlicher "Ansprache" die außerhalb der behördlich "genehmigten Zone" Stehenden dazu, Schilder und Transparente abzulegen. Das griff der Moderator der Kundgebung unter dem Beifall der Menschen auf dem Platz sofort an und verband das mit einer Zurückweisung der Versuche von Regierung und Behörden, die Corona-Krise als Vorwand für politische Notstandsmaßnahmen zu missbrauchen. Das hatte Erfolg, Polizei und Ordnungsamt unterließen das dann und zogen sich zurück.

 

Lieder von Grup Yorum und der internationalen Arbeiterbewegung, gespielt und gesungen von der Band Gehörwäsche zusammen mit Musikern aus der Türkei, stärkten das Gefühl für den gemeinsamen Kampf und den Optimismus, zu einer überlegenen Kraft zu werden für eine lebenswerte Zukunft. Höhepunkt war die gemeinsam gesungene "Internationale" zum Abschluss. Das war ein würdiger 1. Mai, den alle, die dabei waren, nicht vergessen werden.