Argument

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Die IG Metall und Corona

Pünktlich zum 1. Mai habe ich als IG Metall Mitglied die metallzeitung im Briefkasten. "Entschlossen, stark, solidarisch – so kommen wir durch die Corona-Krise" – so titelt die Metall.

Von lg

Im Interesse der Mitglieder der IG Metall sei es, entschlossen, stark und solidarisch gemeinsam am 1. Mai auf die Straße zu gehen – natürlich mit Schutzmaske und Abstand. Doch der IG-Metall-Vorstand hat die Absage aller Demonstrationen durch den DGB-Vorstand unterstützt. Liest man die Zeitung, wird schnell klar, warum. Dort ist – auch schriftlich und auch digital – kein kritisches Wort an Regierung und Monopolen zu hören bzw. zu lesen.

 

Die Überschriften machen mich stutzig: "Corona bedroht Wirtschaft und Arbeitsplätze". "Made in Germany gegen Corona". "Corona killt Klima". Die Autoren der Zeitung tragen voll die Argumentation der Monopole mit, dass nicht etwa sie das Klima killen und Arbeitsplätze vernichten, sondern dass Corona an allem schuld sei.

 

Die Begründungen sind haarsträubend. So heißt es im Klima-Artikel: "Selbst der Klimaschutz leidet unter dem Coronavirus. Denn durch die wirtschaftlichen Einbußen wird Unternehmen das Geld für Investitionen fehlen, die eine klimaschonende Produktion ermöglichen." Um dann für zu werben, dass die Automobilindustrie Steuergelder bekommt: "Damit die Autoindustrie trotz Coronaeinbußen ... die Transformation hin zur klimaneutralen Mobilität bewältigen kann, wird die Politik finanziell in die Bresche springen ... müssen."

 

So ein Unsinn! In der letzten Woche prahlte der VW-Konzernchef Diess Land auf Land ab damit, im letzten Jahr eins der besten Geschäftsjahre der Geschichte gehabt zu haben. Kein Wort der Kritik an schlechten Schutzmaßnahmen in der Auto- und Stahlindustrie für die Arbeiter, kein Wort der Solidarität mit Flüchtlingen, kein Wort der Kritik an der Einschränkung demokratischer Rechte durch die Regierung.

 

Eine solche Richtung schadet der Gewerkschaft! Gerade in Coronazeiten brauchen wir die Gewerkschaften als Kampforganisationen und nicht als verlängertes Sprachrohr des BDI! Es kommen ja bewegte Zeiten auf uns zu, in denen sicher harte Klassenauseinandersetzungen zu erwarten sind. Dafür braucht es dringend kampfstarke Gewerkschaften! Wie gut, dass heute Tausende Gewerkschafter der Basis aller Einzelgewerkschaften die Ehre des 1. Mai und der Gewerkschaften hochgehalten haben!