Wachsende Debatte

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Kämpferische statt virtuelle Aktivitäten am 1. Mai

Ein sehr interessanter Artikel zur Auseinandersetzung um den diesjährigen 1. Mai erschien am 24. April in der WAZ Bochum. Dort ist unter anderem zu lesen:

Von Korrespondenz aus Bochum
Kämpferische statt virtuelle Aktivitäten am 1. Mai
Die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich wird auch am diesjährigen 1. Mai eine zentrale Rolle spielen - wenn auch die Aktionen aufgrund der Schutzmaßnahmen ein anderes Gesicht haben werden wie hier im letzten Jahr in München (Foto: RF)

"Die Demonstrationen der Gewerkschaften zum 1. Mai fallen 2020 Corona-bedingt aus. Auch in Bochum. Dennoch ist eine Kundgebung angekündigt." Weiter schreibt die WAZ: "Auch der DGB Bochum will sich digital beteiligen. 'Es wird auf jeden Fall etwas passieren', sagt Stadtverbandsvorsitzende Bettina Gantenberg.

 

Regional-Chef Stefan Marx kündigt an, der DGB werde außerdem im Vorfeld tätig werden. So bedauerlich es sei, dass es in diesem Jahr keine Demonstration am Tag der Arbeit geben werde. Die Entscheidung des DGB ist aus Sicht von Bettina Gantenberg richtig. Der Aufruf einer linken Bewegung zu einer Kundgebung am 1. Mai von 11 bis 13 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz sei dagegen 'unverantwortlich', so die Gewerkschaftssekretärin.

 

Für eine Austragung der Mai-Demo macht sich unter anderem die Liste Offensiv im Betriebsrat des Opel-Warenlagers in Langendreer stark. Gesundheitsschutz und Kundgebungen seien kein Widerspruch, heißt es in einem Schreiben der Liste."

 

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie andere fortschrittliche Kräfte wollen ihre Forderungen nicht "virtuell", sondern in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen. Deshalb hat das Internationalistische Bündnis (Regionalgruppe Bochum/Herne) eine Kundgebung angemeldet.

Warum "unverantwortlich"?

Warum soll eine gut organisierte 1. Mai-Kundgebung "unverantwortlich" sein? Darüber ist schon eine lebendige Auseinandersetzung im Gange. Die Verfasserin eines Leserbriefs an die WAZ argumentiert:

 

"Als Mitglied von ver.di und ab der Ausbildung vor 40 Jahren in der ÖTV, ist der 1. Mai ein fester Tag in meinem Jahreskalender. Als der DGB schon im März die Mai-Kundgebungen absagte, dachte ich mir – warten wir erst mal ab. Jetzt lese ich in der WAZ, die Gewerkschaft demonstriert virtuell. Das machen wir doch schon seit Wochen! Jetzt wird es Zeit, dass wir uns mal wieder zeigen.

 

Wenn eine Kundgebung unter Beachtung aller Gesundheitsschutzmaßnahmen organisiert wird – warum soll sie nicht stattfinden und wird als 'unverantwortlich' bezeichnet? Als Krankenschwester ist mir sehr bewusst, wie und durch was man die Gesundheit anderer Menschen gefährden kann. Unverantwortlich ist, dass in den Heimen oft keine Schutzkleidung für das Personal da ist. Unverantwortlich ist, dass die Betriebe die Produktion wieder aufnehmen sollen, obwohl der Gesundheitsschutz oft nicht eingehalten wird. Unverantwortlich ist, dass es für die Mütter keine Möglichkeiten gibt, ihre Kinder in die Betreuung zu geben. Wie sollen Alleinerziehende diese Probleme lösen?

 

Das sollen wir jetzt alles nur im Internet sagen dürfen? Für mich ist der 1. Mai ein Tag, der nicht ausfällt, sondern verändert auf der Straße stattfindet – mit Mundschutz, Handschuhe und Abstand!"

 

Die Gastronomen haben auch eine Kundgebung gemacht mit hunderten Stühlen. Eine gute Idee für den 1. Mai, dass man auch mit Klappstühlen teilnehmen kann.

"Werde selbstverständlich dabei sein"

Im Lokalkompass Bochum konnte man dazu folgende Meinung lesen: "Für wichtige Themen wie Arbeitsplatzvernichtung, Arbeitszeitverlängerung, zunehmende Umweltzerstörung, wachsende Kriegsgefahr, die Flüchtlingssituation u.v.m. zeigt der DGB nur virtuell 'Flagge' und erweist damit den Konzernen sogar einen Bärendienst. ...

 

Zum einen besteht ein Versammlungsverbot von mehr als zwei Menschen und ein Abstandsgebot, zum anderen müssen in vielen Produktionsbetrieben oder auch bei Dienstleistern Personen auf engem Raum zusammenarbeiten, häufig werden Hygieneauflagen nicht eingehalten. ...

 

Auf solche oder ähnliche Probleme ist der DGB allerdings nicht eingegangen. Auch innerhalb der Betriebe sind Betriebsversammlungen verpönt bzw. sogar untersagt, aber die Produktion muss im Interesse der Profite weitergehen! ... Sollte die Veranstaltung der linken Bewegung am 1. Mai in Bochum stattfinden, werde ich selbstverständlich dabei sein!"