Kapitalismus

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Wissenschaft im Dienst der Konzerne

"Gekaufte Wissenschaft" – unter diesem Titel veröffentlichte die ver.di-Zeitung "Publik" ein Interview mit Professor Christian Kreiß.

Korrespondenz aus Friedrichshafen

Top-Manager sitzen in den Hochschulräten, um die Ausrichtung von Forschung und Lehre an den Universitäten entsprechend ihren Profitinteressen zu gewährleisten. 2006 forderte Arend Oetker, Unternehmer und damaliger BDI-Vizepräsident, die „Verzahnung von Wirtschaft und Hochschulen”, um „noch schneller Forschungserkenntnisse in Produkte umsetzen” zu können.

 

Dazu werden zunehmend „Drittmittel“ eingesetzt. Darunter versteht man finanzielle Mittel der Konzerne für die Forschung an den Universitäten. Auf diese Weise üben sie maßgeblichen Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung und deren Ergebnisse aus und ordnen diese so ihren Profitinteressen unter! In den letzten 20 Jahren sind diese „Drittmittel“ nochmal drastisch gestiegen; derzeit werden so 50 Prozent der Forschung finanziert.

Wie Facebook seine Konzern-"Ethik" durchsetzen will

Professor Kreiß schreibt: „Letztes Jahr verkündete Facebook, dass der Konzern mit 7,5 Millionen Dollar ein 'Institut für Ethik in der Künstlichen Intelligenz' an der Technischen Universität (TU) in München fördern will.“ Sein Fazit: „Absurd! Facebook, das für einen Ethikbruch nach dem anderen bekannt ist. Am Anfang dachte ich, es sei ein Aprilscherz. Gegen Facebook werden in den USA über 30 Prozesse wegen Ethikverstößen geführt, weil sie Daten zu Zwecken verwenden, die nicht erlaubt sind.“


Und Facebook stellt Bedingungen, die in einem geheimen Vertrag festgelegt werden. So besteht Facebook darauf, dass Professor Christoph Lütge Institutsdirektor sein muss. „Lütge ist bekannt als ein fundamental markt-apologetischer Ökonomievertreter. … Und genau dieser Mann, der sagt, Konzerne sind gut, Gewinne sind gut, Ethik brauchen wir nicht, wird von Facebook als Institutsdirektor eingesetzt“, so Professor Kreiß.

Drittmittelvergabe fördert "kapitalfreundliche" Richtung

Kreiß fasst zusammen: „Diese Drittmittel fließen ständig in die kapitalfreundliche und in die arbeitnehmer-, gewerkschafts-, umwelt- und verbraucherfeindliche Richtung.“