Krisenmanagement im Kreuzfeuer (9)

Krisenmanagement im Kreuzfeuer (9)

“Das Lockerungsvirus kann zur Pandemie werden“

Vor allem durch die Disziplin und Achtsamkeit der Bevölkerung und wegen verschiedener Schutz- und Hygienemaßnahmen verlief die Corona-Pandemie in Deutschland bisher relativ kontrolliert.

Von dr/hs
“Das Lockerungsvirus kann zur Pandemie werden“
Vor einer zu frühen Lockerung wird gewarnt (foto: Nickolay Romensky - https://flickr.com/photos/111977604@N05/49726977771 (CC BY 2.0))

Inzwischen gingen die Neuinfektionen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf 700 bis 1600, die Zahl der Verstorbenen auf 40 bis 200 pro Tag zurück. Am höchsten liegen die Neuinfektionen noch in Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland, deutlich niedriger sind sie in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt. Aufgrund der schlechten Testinfrastruktur, begrenzter Testung und schematischer Zuordnung vieler Sterbefälle als Corana-assoziert, mangels pathologischer Untersuchungen, ist die Statistik eher untauglich und dient mehr oder weniger der Rechtfertigung des Krisenmanagements der Regierung. In der öffentlichen Debatte fußen jedoch beide Richtungen – für und gegen Lockerungen – kaum auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage. Sie sind weitgehend spekulativ begründet und sind mehr ein „blind tastendes Fische fangen“.

 

Schon vor dem gestrigen Treffen mit Merkel preschten verschiedene Ministerpräsidenten der Bundesländer mit ihren Varianten von Lockerungsstrategien - gerade im Bezug auf die unterschiedlichen Infektionszahlen in ihren Ländern – vor. Insbesondere nachdem der Kapitalistenverband BDI darauf drängte, dass am gestrigen Mittwoch auf jeden Fall für ihn dienliche Lockerungen herauskommen müssen. Versprochen werden in unterschiedlichen Zeitintervallen und Vorgaben die Wiedereröffnung von Kitas, Schulen, Gaststätten, Hotels, großer Geschäfte, Sporteinrichtungen und eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen. Damit versuchen sie auf das langsam bröckelnde bisherige Vertrauen der Massen in die bisherigen Krisenmaßnahmen zu reagieren.

 

Scheinbar geht es nur um die Interessen der Massen und der kleinen Geschäftsleute. Ausgeblendet wird das Hauptmotiv der Landesregierungen wie der Bundesregierung als Geschäftsführer der Monopole. Sie sorgen sich vor allem darum, einen unkontrollierten Einbruch in der derzeitigen Weltwirtschafts- und Finanzkrise einigermaßen in den Griff zu bekommen, und um die „Konkurrenzfähigkeit“ der deutschen internationalen Monopole. Konzerne wie Daimler, VW, Bosch und andere fahren ihre Produktion hoch, und diktieren zusammen mit ihren Wirtschaftsverbänden massiv den Lockerungs-Takt. Und sie schreien bereits jetzt schon nach weiteren Subventionen.

Für mehr Gesundheitsschutz!

Während Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer soviel wie möglich wieder aufmachen will, mahnt Berlins Bürgermeister Michael Müller zur Vorsicht; auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder warnt, dass die Vielzahl der Maßnahmen zu einer unkontrollierten Situation mit explodierenden Infektionszahlen und einer vom RKI prognostizierten zweiten Corona-Welle führen kann.

 

Die MLPD fordert dagegen ganz klar: Lockerungen Ja, aber nur unter der Gewährleistung wesentlicher Bedingungen von Schutz und Hygiene wie: Verfügung von FFP2 und FFP3-Schutzmasken für alle Risikopersonen, Mund-Nasen-Schutzmaske für Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg und in den Pausen, flächendeckende Testungen, höchstmöglicher Schutz bei Besuchen und Kontakt in Alten- und Pflegeheimen, Flüchtlingsheime auflösen und dezentralisieren auf leerstehende Hotels-, Häuser und weitere Unterkunftsmöglichkeiten.

 

Das sind Forderungen, die durchgekämpft werden müssen. Ihnen entgegen stehen Lockerungsversuche, die eine zweite – dann noch größere – Infektionswelle in Kauf nehmen. Das offenbaren auch die geheimen NATO-“Operationspläne“ für einen zweiten Pandemie-Schub, der spätestens im Herbst verortet wird. (Siehe Rote Fahne News!)

Lockerungsversuche ohne notwendige Schutzmaßnahmen und Erforschung der Corona-Pandemie sind verantwortungslos!

Vor einer allzu schnellen Öffnung der Kitas und Schulen warnt der Virologe Dr. Christian Drosten. Nach neuen Erkenntnissen erkranken zwar Kinder, Schülerinnen und Schüler kaum, oder nur milde an der Corona-Infektion, sie haben aber genau so viele Viren wie Erwachsene im Rachen und können über den Schulbesuch zu Trägern des Virus werden. Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssen deshalb konsequent durchgesetzt werden. Dringend erforderlich ist breiter und regelmäßiger als bisher zu testen - besonders Risikopersonen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen.

 

Es ist ein Unding, dass die gesteigerten PCR-Testmöglichkeiten auf Viren von 740.OOO Tests pro Woche in den letzten beiden Wochen nur zu 30 bis 40 Prozent genutzt wurden, und dass das RKI die Testeinschlusskriterien bis heute nicht auf diese Personen und insgesamt erweitert hat. Grund: Sowohl die Krankenkassen als auch der Staat weigern sich das zu zahlen! Ein skandalöses Unding. Hotspots, wie massenhafte Infektionen des Klinikpersonals, in Flüchtlingsunterkünften, von Bauarbeitern bei S21 stehen im Gegensatz zu den geheuchelten Beteuerungen der Monopolpolitiker, dass der Gesundheitsschutz aller Bürger in der Corona-Krise an oberster Stelle steht. Weltweit gibt es ca. 117 Projekte zur Impfstoff-Entwicklung, die jedoch nicht miteinander, sondern größtenteils in Konkurrenz zueinander arbeiten und um Unterstützungsgelder buhlen. Die kapitalistische Konkurrenz verhindert die Bündelung aller Kräfte, Mittel und Kenntnisse, um diese Pandemie im Interesse der Menschheit schnell in den Griff zu bekommen.

Sofortprogramm der MLPD ist richtungsweisend

Das Sofortprogramm der MLPD gegen die Corona-Pandemie von Mitte März und das Forderungsprogramm der Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis waren von vorneherein wegweisend, und die Notwendigkeit der darin geforderten Maßnahmen wurden vollauf bestätigt. Insbesondere auch der Zusammenhang zum Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten. Darüber muss jetzt die Massendiskussion weiter intensiviert, der überparteiliche Zusammenschluss der Masse der Bevölkerung muss organisiert, und am Besten müssen MLPD und der Jugendverband REBELL als revolutionäre Kräfte für eine gesellschaftsverändernde Perspektive gestärkt werden.