Siemens

Siemens

Die Logik des Herrn K.

Am 20. April veröffentlichten die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ ein Interview mit dem Konzernlenker von Siemens, Joe Kaeser. Darin erhält er freie Bahn, um zu erklären, warum der Konzern einen Corona-Hilfsfond eingerichtet hat. „Siemens begreift sich als Teil der Gesellschaft ...“, (das Gleiche sagte übrigens Herbert Diess vom VW-Konzern fast wortgleich am 23. April bei "Maybrit Illner").

Korrespondenz aus Dresden
Die Logik des Herrn K.
Bei ausgewählten Besuchen Kaesers in einigen Siemens-Werken meinte der Chef, sich an den Wänden verewigen zu müssen (rf-foto)

Auf die Frage: “In der Krise wird auch über Gehaltsverzicht debattiert. Warum entscheiden sie sich als Vorstand nicht auch dafür?“, antwortete der 14 Millionen Euro “Vergütung“ (2019¹) schwere Kaeser den Dresdner Neuesten Nachrichten: “Wir haben uns ganz bewusst für einen Hilfsfond entschieden. Geringere Vorstandsgehälter vergrößern doch nur den Gewinn des Unternehmens. Und davon profitiert nur eine Interessengruppe.“ In völlig selbstloser Manier und als Kämpfer gegen die Unternehmensgewinne, behält daher unser Herr K. sein Vorstandsgehalt (rund 7 Millionen Euro im Jahr 2018 ) bei.

 

Interessant ist diese Logik unseres Herrn K. für alle Siemenskolleginnen, Kollegen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Denn nicht nur höhere Vorstandsgehälter schmälern den ausgewiesenen Konzerngewinn. Überhaupt jede Lohn- und Gehaltserhöhung, Sonderzahlung, usw. schmälert diesen. Eine wichtige Frage an ihn bleibt noch: Wen zählt Herr K. alles zu dieser Interessengruppe, mit der er so gar nichts zu tun zu haben scheint? Könnte es sich dabei um Aktionäre, Mitglieder in Vorständen, Aufsichtsräte, Topmanager handeln? Wer weiß das schon? Um in diese philosophischen Tiefen einzudringen, könnte auch seine Befragung dazu auf den nächsten Betriebsversammlungen - als Präsenzversammlungen mit dem nötigen Abstand - ein interessantes Thema sein.