Gespräch mit Azubis im Krankenhaus

Gespräch mit Azubis im Krankenhaus

"Wir müssen laut sein!"

In der Vorbereitung des 1. Mai in Zeiten von Corona sprach ich auf der Station mit Auszubildenden¹ im dritten Lehrjahr zur Situation in der Ausbildung. Sie stehen kurz vor dem Examen zur Krankenschwester und man merkt ihnen an, dass sie sich sehr viele Gedanken über die Zukunft machen. Mit der Gewerkschaft hatten sie bisher noch wenig zu tun. Ich hake genauer nach, wie sie in der Ausbildung den Pflegenotstand erlebt?

Korrespondenz aus Duisburg

Julia (Name geändert) erzählt: "Man konnte kaum Schüler sein, denn man wurde vom ersten Tag als volle Kraft auf der Station gebraucht und eingesetzt. In den Ferien wurden wir von der Schule gebeten, dass wir den Stationen aushelfen da viele Kollegen natürlich zusätzlich zu dem Notstand in der Pflege im Urlaub waren." Und Linda ergänzt: "Man fühlt sich nicht so gut vorbereitet in Bezug auf das Examen. Allgemein wie die Ausbildung verlief: sei es der Mangel der Dozenten oder viele Wechsel von Dozenten mit vielen Krankmeldungen und plötzlicher Kündigung. Im Stationsalltag waren die meisten Praxisanleiter viel zu beschäftigt, um uns auf die Prüfung vorzubereiten."

 

Ich erinnere sie an ihre erste Gewerkschaftsdemo 2018 für mehr Pflegepersonal und gegen Gesundheitsminister Spahn. "Wie fandet ihr das und hat das etwas in eurer Einstellung geändert?" Julia fand es toll an der Demo teilzunehmen. "Denn das hat mal gezeigt, dass man mit vielen Problemen nicht alleine ist, sondern es allen so geht und dass wir wir laut sein müssen! Es ist wichtig, dass es solche Veranstaltungen gibt, um mal zu zeigen, dass wir nicht klein sind, sondern laut und sehr viele und wir einen wichtigen Job jeden Tag leisten." Und Linda ergänzt: "Ich weiß nicht viel über den 1. Mai aber es ist der Tag der Arbeiter! Deshalb finde ich es nicht in Ordnung, diese Demo und Kundgebung abzusagen - ohne eine Alternative vorzuschlagen!