Corona-Pandemie

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Heinsberg-Studie – unabhängige Wissenschaft? Diktatur der Monopole?

Kaum eine Studie zur Corona-Pandemie fand in den Medien so viel Beachtung wie die „Heinsberg-Studie“ des Virologen Hendrik Streeck.

Von av / at
Heinsberg-Studie – unabhängige Wissenschaft? Diktatur der Monopole?
Foto: Mikhail Denishchenko / CC0 Public Domain

In Nordrhein-Westfalen war sie der Freifahrtsschein für die Lockerungen der Gesundheitsschutz-Maßnahmen, deren führender Verfechter NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist. So ließ sich die Landesregierung die “fundierten Begründungen“ für die „Vorbereitung auf die Zeit nach der Krise“ auch 65.315 Euro kosten.

Gekaufte Studie

Der Haken an der Sache: Die Studie wurde als Wunschauftragswerk durch die Industrie gekauft, generalstabmäßig vorbereitet und von einer inszenierten Medienkampagne durch die PR-Agentur Storymachine begleitet.

 

Storymachine verschickte ein auf 22 Seiten konzipiertes „Drehbuch“ für die Vermarktung der Studie und ihrer erhofften Ziele an potenzielle Sponsoren aus der Wirtschaft - schon in den ersten April-Tagen, als Streeck und sein Team noch mitten in den Heinsberg-Analysen steckten. Ex-stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen,  der zusammen mit dem früheren BILD-Chefredakteur Kai Diekmann und Eventmanager Michael Mronz zu den Gründern von Storymachine gehört, meldete am 9. April, ein „Teil der Kosten wird von Partnern dankenswerter Weise übernommen“.

30.000 Euro von der Industrie

Am 12. April legte er auf Twitter nach und teilte mit, wer diese „Partner“ sind. Die Gries Deco Company, Muttergesellschaft der Deko-Handelskette Depot, würde das Heinsberg-Projekt mit insgesamt 30.000 Euro unterstützen.¹

 

Saubermann Laschet verwickelt sich in Widersprüche

Die FAZ vermutet zum Motiv der Studie treffend: „Im Raum steht der Vorwurf, diese diene mehr der Politik, konkret dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), denn der Wissenschaft.“² Dieser gab sich unwissend. Am 9. April bestritt er auf einer Pressekonferenz, etwas von der Zusammenarbeit der Wissenschaftler mit der Agentur Storymachine zu wissen.³  Das war dreist gelogen.

 

Das ARD-Polit-Magazin „Kontraste“ berichtete, dass die Landesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der SPD im Landtag zugab, schon zum „Auftakt der entsprechenden Facebook-Seite“ von der Zusammenarbeit mit Storymachine informiert gewesen zu sein.

So funktioniert die Diktatur der Monopole

Auch war die Arbeit der Agentur kaum darauf beschränkt, Streeck bei der Arbeit an der Studie zu „beobachten“ und „diese Beobachtungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Das hatte Streeck in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ behauptet. Im "Drehbuch" der Agentur war vielmehr ein Zeitplan mit verschiedenen Kommunikationsphasen festgelegt – mit „Zielen“ und „Messages“, die erreicht und transportiert werden sollen.¹

 

So viel zur angeblichen "Unabhängigkeit" der Wissenschaft! Was jetzt als Lügenskandal der Landesregierung zutage tritt, ist gängige Praxis der Diktatur der Monopole. Die konkreten wirtschaftlichen Interessen der beiden finanzierenden Firmen trafen sich mit den Interessen der Monopole insgesamt, die Produktion und damit die Ausbeutung in den Betrieben so schnell wie möglich wieder anfahren zu können. Sie wollen sich so mitten in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise einen Konkurrenzvorteil verschaffen.

Gesundheitsschutz JA – politische Notstandsmaßnahmen NEIN!

Das ist auch der eigentliche Grund für die treibende Rolle der nordrhein-westfälischen Landesregierung bei der "bestellten" Heinsberg-Studie. Und nur so ist es zu erklären, dass die Polizei zur Zeit bundesweit sogenannte „Hygienedemos“ ohne Gesundheitsschutzmaßnahmen gewährt. Sie liefern eine reaktionäre Begleitmusik für die „Lockerungseuphorie“.

 

Die MLPD fordert: Gesundheitsschutz JA – politische Notstandsmaßnahmen NEIN! Wer nach Klarheit, Organisiertheit und einer revolutionären Perspektive sucht, der ist bei der MLPD genau richtig!

 

Hier geht es zum aktualisierten Sofortprogramm der MLPD