8. Mai 2020

8. Mai 2020

Politischer Sonntagsausflug zum Rheinkilometer 808

Am Nachmittag des 75. Jahrestags der Befreiung vom Hitler-Faschismus trafen wir uns beim „Deichkreuz“ am Rheinufer südlich von Wesel.

Von wr
Politischer Sonntagsausflug zum Rheinkilometer 808
Allierte Truppen - hier Briten - überqueren in der Operation "Plunder" den Rhein (foto: gemeinfrei)

Dort soll vor 75 Jahren am 25. März der britische Premier Winston Churchill erstmals rechtsrheinisches Ufer betreten haben. Tags zuvor gelang in der Operation „Plunder“ mit dem Einsatz von 250.000 Soldaten der alliierten britischen, kanadischen und amerikanischen Kampfverbände die Rheinüberquerung zwischen Duisburg und Emmerich.

 

Vorausgehend legten Fliegerbombenangriffe alle Städte und Ortschaften zwischen Dinslaken und Wesel in Schutt und Asche. Das Inferno von damals schildert ein Interview mit Frau Dr. Inge Litschke im WDR . Sie überlebte damals als 14-jähriges Kind einer Bergarbeiterfamilie als einzige. Unter den Trümmern eingeklemmt, hörte sie die letzten Todesschreie ihrer Brüder und fasste noch die warme Hand ihrer sterbenden Mutter.¹

 

Die menschenverachtende Strategie der „Mutterländer der bürgerlichen Demokratie“ - ohne Rücksicht gegen die Zivilbevölkerung - erklärt sich aus der antikommunistischen Grundhaltung Churchills. Er setzte darauf, dass die sozialistische Sowjetunion im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht geschwächt wird und sich der britische Imperialismus zur beherrschenden Macht in Europa aufschwingen kann. Lange verzögerte er die Errichtung der Westfront. Er hatte sich verrechnet. Die Rote Armee war unaufhaltsam in ihrem Vormarsch nach Deutschland. Nun trieb Churchill zur Eile. Er wollte unter allen Umständen vor den sowjetischen Streitkräften Berlin erreichen.

 

Eine ältere Genossin erlebte bei Dresden den Einmarsch der Roten Armee. Übergriffe durch sowjetische Soldaten gegen die Bevölkerung konnte man anzeigen und sie wurden streng, bei schweren Vergehen mit dem Tode, bestraft. „Wir hatten aufgrund der Hetzpropaganda der Nazis Angst vor den Russen, aber sie haben uns Menschlichkeit und Kultur gebracht.“ Mit dem Lied Bella Ciao beendeten wir unseren Ausflug.