Berlin

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Rolf Hochhuth mit 89 Jahren gestorben

Rolf Hochhuth war ein sachkundiger, schonungsloser und unbeirrter Kritiker der Herrschenden in Geschichte und Gegenwart.

jg

Er hat mehrfach volksfeindliche Machenschaften aufgedeckt und breit öffentlich gemacht. Er erzielte in Deutschland eine direkte politische Wirkung. Weltberühmt wurde der „Stellvertreter“ - sein erstes und bekanntestes Stück. Darin griff er das Schweigen des Papstes Pius XII zum Holocaust an und erschütterte das Image der katholischen Kirche als moralische Instanz.

 

In seiner Erzählung „Eine Liebe in Deutschland“ deckte er auf, dass der damalige Ministerpräsident Walter Filbinger (Baden-Württemberg) als Marinerichter noch bis kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs Todesurteile verhängt hatte. Damit führte er dessen Rücktritt herbei. In „Wessis in Weimar“ griff der die Politik der Treuhand nach der Wiedervereinigung an.

 

Er verstand sich als Moralist in der Tradition Friedrich Schillers. Dieser subjektive Ansatz führte auch zu einigen Irrtümern. So fiel er z.B. auf den faschistoiden englischen Rechtsnationalisten David Irving herein, weil der den Befehl Churchills zu den Bomber-Einsätzen in Deutschland kritisiert hatte (Stück „Soldaten“). Oder er bezeichnete Günter Grass fälschlicherweise als Antisemiten.

 

Er bleibt trotzdem insgesamt ein großer kritischer Schriftsteller. Als Ausweg sah er letzten Endes die Revolution: „Im Augenblick sind wir im Sturmschritt auf dem Weg dahin, dass Banken und Wirtschaft derart die Oberhand bekommen, dass sie nur durch eine Revolution gezähmt werden können – und das wird keine friedliche sein.“ (zitiert nach Rote Fahne News vom 2. April 2011).