Corona-Hotspots

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Schlachthöfe: Gesundheitsgefährdende Zustände in der Kritik

412 von 1.100 Beschäftigten der Fleischfabrik „Müller Fleisch“ bei Pforzheim haben sich inzwischen am Corona-Virus angesteckt.

Von wb

Nach dem Ausbruch der Pandemie in verschiedenen Bundesländern entwickeln sich Deutschlands Schlachthöfe zu Virusbrutstätten. Dies wirft ein grelles Licht auf ein System unmenschlicher und gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.


Es handelt sich vorwiegend - aber nicht nur! - um Arbeitsmigranten aus Osteuropa, die mit Werkverträgen bei Subunternehmen in Schlachthöfen zu Niedriglöhnen beschäftigt sind. Sie haben sich vor allem in den meist engen und unhygienischen Sammelunterkünften oder in den Bussen zur Arbeit angesteckt, aber auch auf der Arbeit selbst!

 

Diese Subunternehmen arbeiten für Agrarmonopole wie Tönnies, Westfleisch, Vion (Niederlande) oder Danish Crown, die zwei Drittel der Schlachtungen und Verarbeitung von Schweinefleisch in Deutschland bestreiten. So hat bei Tönnies jeder zweite der 6.500 Beschäftigte ein Werksvertrag.


Wenn jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel von „erschreckenden Nachrichten“ spricht - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil empört gesetzliche Konsequenzen ankündigt, dann ist das nicht nur überfällig, sondern auch scheinheilig. Denn schon lange gibt es massive Kritiken von Gewerkschaftern, Umwelt- und Tierschützern, dass „die Schlachthöfe unter den Augen der Behörden Menschen und Tiere ausbeuten“ dürfen.1

 

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Freddy Adjan spricht von „einem kranken System". Adjan kritisiert: "Die in der Schlachtindustrie über Werkverträge mit oft dubiosen Subunternehmen beschäftigten Menschen werden seit vielen Jahren rücksichtslos ausgenutzt.“

 

Es sind die Agrar- und Lebensmittelmonopole als Teil des internationalen Finanzkapital, die das Lohnniveau drücken, weshalb immer weniger Menschen höherwertige Lebensmittel kaufen können. Und sie sind es, die sich bei den Lebensmittelpreisen den Löwenanteil aneignen und von einem Euro an die Bauern gerade mal 21 Cent Erzeugerpreis auszahlen.2Doch 


Es braucht deshalb eines gesellschaftsverändernden Kampf für eine sozialistische Gesellschaft, mit „einem gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel unter der Generallinie der Einheit von Mensch und Natur“.3