Pflege

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Täglich kämpfen wir mit den Auswirkungen des „Lagerkollers“

Ein Pflege-Azubi berichtet über die aktuelle Situation in einer Korrespondenz an „Rote Fahne News“:

Korrespondenz
Täglich kämpfen wir mit den Auswirkungen des „Lagerkollers“
Zehn Stunden unter Mundschutz am Limit arbeiten - eine große Belastung (foto: Artur Bergman - CPMC Surgery (CC BY-SA 2.0))

Ich arbeite als auszubildender Heilerziehungspfleger in einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung. Seit nunmehr sechs Wochen haben sich die Arbeitsbedingungen für uns Mitarbeiter und die Lebensbedingungen unserer Bewohner drastisch geändert. Unsere Bewohner dürfen nicht mehr ohne Begleitung vor die Tür gehen, ein Mitarbeiter darf mit maximal drei Bewohnern zeitgleich raus gehen.

 

Dies allerdings nur zum Spazierengehen, das Betreten von Geschäften ist unseren Bewohnern untersagt. Geht jemand ohne Begleitung aus dem Haus, ist er vorsorglich 14 Tage unter Quarantäne zu versetzen. Dies beschneidet das Recht auf Selbstbestimmung für unsere Bewohner enorm, was sich stark negativ auf die psychische Situation auswirkt.

Besuche durch Angehörige untersagt

Täglich kämpfen wir hier mit den Auswirkungen des „Lagerkollers“. Einige Bewohner kanalisieren diese emotionale Belastung mit selbstverletzendem Verhalten. Streits unter den Bewohnern werden häufiger und intensiver. Wohngruppenübergreifender Kontakt ist unseren Bewohnern ebenfalls untersagt.

 

Arzttermine werden nur wahrgenommen, wenn diese unumgänglich sind, einige Hausärzte führen bereits keine Hausbesuche mehr durch. Besuche durch Angehörige sind untersagt, generell darf niemand das Wohnhaus betreten, der nicht Mitarbeiter oder Bewohner ist. Bei Zuwiderhandlung macht sich der Besuchende sowie der Mitarbeiter strafbar und hat ein Bußgeld von je 200 Euro zu entrichten.

1.500 Euro "Sonderzahlung" als Freibetrag für die Unternehmen

Bei all diesen Faktoren, welche unsere Arbeit und den Alltag unserer Bewohner beeinflussen, macht es noch wütender, die Pressekonferenz der Bundesregierung zu hören, in welcher Frau Merkel zu der Lage in den Pflegeeinrichtungen lediglich einen Satz verliert.

 

Von den versprochenen 1.500 Euro für Pflegekräfte ganz zu schweigen. Dieser wird nicht wie in der Tagesschau berichtet, an Mitarbeiter ausgezahlt, sondern die Unternehmen bekommen einen Freibetrag gutgeschrieben, welchen sie an ihre Mitarbeiter auszahlen dürfen.