Krisenmanagement im Kreuzfeuer (12)

Krisenmanagement im Kreuzfeuer (12)

Warum und für wen die bürgerlichen Medien systemrelevant sind

„Die Medien sind systemrelevant“, erklärt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), am 12. Mai (1). Dabei ging es ihr vordergründig um die Erhöhung der GEZ-Gebühren für das nächste Jahr um gut zehn Euro (monatlich um ca. 86 Cent).

Von Jörg Weidemann
Warum und für wen die bürgerlichen Medien systemrelevant sind
Blick ins Studio der"Tagesschau" (foto: Inspeftive1293 - own https://www.city-news.de - CC BY-SA 3.0)

Sondersendungsflut

Aber sie sprach gleichzeitig ungewollt ein wahres Wort. In diesen Zeiten ist eine umfassende Meiungsmanipulation durch die herrschenden bürgerlichen Medien für sie absolut notwendig. Auf neudeutsch: Systemrelevant.

 

Seit Beginn der Corona-Krise erleben wir von Montag bis Freitag eine Corona-Sondersendungsflut: um 20.15 Uhr auf der ARD, im Anschluss an die heute-Nachrichten im ZDF oder (besonders vertrauenswürdig) um 19.50 Uhr auf Sat 1 in Kooperation mit der Bild-Zeitung. Rund zwei Stunden später wird das Ganze in den diversen Talkshows wiedergekäut. Von dort wandert die regierungsamtliche Ausrichtung in die bürgerlichen Leitmedien Spiegel, Bild, Welt, Süddeutsche usw. Ergänzt durch zeitweise tägliche Pressekonferenzen. Um schließlich im Morgenmagazin noch einmal schmackhaft verpackt auf dem Frühstücksteller zu landen. So wird der Bevölkerung das Gefühl vermittelt, total gut informiert zu sein.

 

Zu Beginn waren diese Sendungen weitgehend einheitlich - auf die Formel: Die Pandemie kann eine Katastrophe hervorrufen. Die Regierung handelt klug und umsichtig. In anderen Ländern ist es viel schlimmer. Und ganz wichtig: alles wird gut! Unvergessen der CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der Talkshow „Hart aber fair“ am 16. März, mit seiner Prognose: „Wir haben so viele Reserven, dass wir versprechen können, dass wir alles tun werden, damit kein Arbeitsplatz wegen Corona verloren geht.“ Acht Wochen später bzw. 308.000 Arbeitslose mehr möchte er das gerne ungesagt machen.

 

Inzwischen sind die Herrschenden heillos zerstritten über das richtige Krisenmanagement. Und die Kritiken aus der Bevölkerung nehmen zu. Dementsprechend ist auch die Meinungsmanipulation nicht mehr so einheitlich und verschiedene Journalisten stellen wachsamere Fragen. Doch in zentralen Fragen funktioniert sie weiter. Aktuell im Zusammenhang mit den sogenannten Hygiene-Demonstrationen.

Bekanntes Medienmuster: „Pegida“

Nach dem Muster der einige Jahre zurückliegenden „Pegida“-Demos werden fortschrittliche Demonstrationen, wie sie an vielen Orten am 1. Mai erkämpft wurden, in den bundesweiten Medien weitgehend ausgeblendet. Dafür wird nicht selten pseudo-kritisch über die sogenannten Hygiene-Demonstrationen - am besten mit Ort und Zeitpunkt – berichtet. So bekommen sie oft erst Zulauf von Unbeteiligten.

 

Interessant, wie der Begriff der „Verschwörungstheoretiker“ – die sich auf den Demos tummeln sollen - von der WAZ² definiert wird. Dazu gehören Menschen, die „einen radikalen Umbruch der Gesellschaft anstreben“. Also Revolutionäre. Heute reicht es schon, zu glauben, „dass Medien und Politik wichtige Information verschweigen würden.“ Was ja noch nie vorkam. Hier werden also unter dem indifferenten Logo "Verschwörungstheoretiker" reaktionäre, antisemitische oder esoterische Spinner in einen Topf mit fundierten Kritikern von Staat und Monopolen gerührt.

Erlauchter Kreis der Gäste

Das Recherchenetzwerk Deutschland hat sich mit den Talkshowgästen 2019 befasst. Wer bisher das Gefühl hatte, dass dort immer die gleichen Leute sitzen, hatte recht. Rekord-Teilnehmer waren Annalena Baerbock (Grüne) und das linke SPD-Aushängeschild Kevin Kühnert. Interessant ist die Auswertung nach Parteienvertretern. An der Spitze die CDU mit 72 Sendungen, die Sozialdemokraten mit 69 Sendungen usw. Überproportional fällt nur die AfD auf. Während sich bei den anderen Berliner Parteien der Anteil in der Regel im Bereich des Sitzanteils im Bundestag bewegt, liegt er bei der AfD mehr als doppelte so hoch.

Die Methoden der Meiungsmanipulation

Eine wesentliche Methode der Meinungsmanipulation ist der Positivismus. Zum Beispiel die nackte Darstellung von Zahlen, ohne sie richtig ins Verhältnis zu setzen. So werden Infektionszahlen, Kranke, Verstorbene ohne Gesamtzusammenhang behandelt, um daraus die jeweils gewünschten Schlüsse zu ziehen. Das gibt der Meinungsmanipulation die Möglichkeit, je nach Bedarf Schrecken zu verbreiten mit hohen Sterbezahlen oder das Gegenteil.

 

Eine weitere Methode der Meinungsmanipulation kann man als verzerrte Polarisierung bezeichnen. Als ob man zum Beispiel nur für oder gegen Lockerungen seine könne. Statt differenziert zu beleuchten, welche Lockerungen gesundheitlich vertretbar sind.

 

Willi Dickhut, Vordenker und Gründungsmitglied der MLPD, machte sich bereits in den 1970er Jahren Gedanken über die Manipulation der öffentlichen Meinung. Er analysierte Ende der 1970er-Jahre: "In dem Netz von Betrug und Gewalt, das die Monopolbourgeoisie zur Aufrechterhaltung ihrer Macht ausgebreitet hat, spielt die Manipulation der öffentlichen Meinung eine wesentliche Rolle. Sie ist eine der raffinierten Techniken, mit deren Hilfe die werktätigen Massen entgegen ihren Interessen an die bürgerliche Gesellschaftsordnung und deren Staat gebunden werden sollen. Das Denken und Handeln der Massen soll so beeinflußt werden, daß sie sich leicht beherrschen und in den Dienst der Monopole spannen lassen, ohne daß sie das merken."³

 

Diese unmerkliche Manipulation wurde seither sicher weiter perfektioniert und in Krisenzeiten auf die Spitze getrieben. Die Rote Fahne mit ihrem 14-tägigen Magazin und der aktuell erweiterten täglichen Rote Fahne News sind verlässliche Partnerinnen, sich selbständig zu orientieren. Die MLPD fordert gegen die herrschende Meinungsmanipulation unter anderem den freien Zugang zu den Massenmedien für Marxisten-Leninisten und alle fortschrittlichen Kräfte. Außerdem ein Verbot aller Zensurmaßnahmen gegen Demokraten, Antifaschisten und Marxisten-Leninisten.

Testen

Eine automatisch endendes Probeabo des Rote Fahne Magazins (2 Ausgaben) kann man hier bestellen. Oder gleich ein festes Abo (z.B. 6 Ausgaben für 13,50 Euro) bei Bekannten der MLPD. Ein Einzelexemplar (PDF: 2 Euro oder Papier 2,50 Euro) gibt es hier. Wegen der gut recherchierten Titelthemen lohnen sich auch ältere Ausgaben.