Stuttgart

Stuttgart

Achtung – rechte Bauernfänger unterwegs

Einigen Zulauf finden aktuell Demos wie in Berlin unter dem Namen „Hygienedemo“ oder in Stuttgart „711 Querdenken“. Auch weil im Gegensatz zu anderen, fortschrittlichen Demonstrationen breit in den bürgerlichen Medien darüber berichtet wird.

Korrespondenz

Die Organisatoren greifen wachsenden Unmut und Frust vieler Menschen an Corona-Notstandsmaßnahmen auf. Sie geben sich als Verteidiger des Grundgesetzes, haben aber fast überall einen offen reaktionären oder faschistischen Hintergrund.

 

Bisheriger Höhepunkt war die bundesweite Sammlung zur „Demo für Grundrechte“ am Samstag, 9. Mai, in Stuttgart. Angemeldet waren 30.000, gekommen (und zugelassen) waren etwa 10.000. Die Organisatoren und die meisten Teilnehmer halten die Schutzmaßnahmen für übertrieben oder völlig überflüssig, Corona wird verharmlost. Zum Beweis berichtet ein Arzt, W. Geissler, dass Corona-erkrankte Freunde die Sache gut überstanden hätten. Dieser Arzt ist von den „Diesel-Demos“ letztes Jahr bekannt, wo er bezweifelte, dass Abgase die Gesundheit schädigen können. Entsprechend diesem Konsens hatte kaum ein Teilnehmer einen Mundschutz. Die Abstandsregeln interessierte viele nicht.

 

Hauptredner war Ken Jebsen, ehemals Moderator beim Jugendsender Fritz bei RBB und entlassen wegen strittiger antisemitischer Äußerungen. Er betreibt die Plattform "KenFM". 2014 trat er als Redner bei den von Rechten dominierten „Mahnwachen für Frieden“ zugunsten von Russland im Ukrainekrieg auf, gemeinsam mit Jürgen Elsässer, dem Herausgeber des faschistischen Hetzblattes „Compact“. Den Faschismus bezeichnete Jebsen als „das kleinste Übel in diesem Land“. Ein Interviewpartner von "KenFM" war kürzlich erst der Nazi - und als Holocaustleugner vorbestrafte - „Volkslehrer“ Nikolai Nerling. Die sozialen Fragen, drohende Entlassungen und Pleiten oder die gigantische Umverteilung zu den Konzernen spielten keine Rolle.

 

Es ist wichtig solche Demagogen der Rechtsentwicklung zu durchschauen. Viele Menschen auf diesen Demos haben keinen rechten oder faschistischen Hintergrund. Umso wichtiger, dass man mit ihnen diskutiert.