Interview

Interview

Mick Kelly: "Der US-Kapitalismus ist in eine tiefe Krise geraten“

Petra Ilius aus Gera sprach mit Mick Kelly von der Freedom Road Socialist Organization aus den USA:

Mick Kelly: "Der US-Kapitalismus ist in eine tiefe Krise geraten“
(foto: gemeinfrei)

Rote Fahne: Die USA sind von der Corona-Krise besonders hart betroffen. Was sind die Gründe dafür?

 

Mick Kelly: Der US-Monopolkapitalismus war und ist schlecht gerüstet, um mit der Pandemie fertig zu werden - er hat die Lage sogar noch verschlimmert. Aufgrund ihres Strebens nach Maximalprofiten haben sich die Konzerne, die das politische und wirtschaftliche Leben in den USA dominieren, als unfähig und unwillig erwiesen, das Notwendige zu tun, um die Auswirkungen der Pandemie zu mindern. Auch die Reaktion der Regierung ist durchweg kriminell.


Die meisten der großen Fabriken blieben offen während die Pandemie zunahm, obwohl sich dies mit dem Fortschreiten der Wirtschaftskrise ändert. Ähnlich verhält es sich mit den Massenverkehrsmitteln, die in großen städtischen Gebieten wie Detroit und New York City immer noch mit Arbeitern voll sind und die Ausbreitung des Virus ermöglichen. Die herrschende Klasse ist nicht bereit, die nicht lebenswichtigen Sektoren der Wirtschaft zu schließen, so dass Menschen krank werden und sterben.


Rote Fahne: Welchen Zusammenhang siehst du zwischen der Corona-Krise und einer weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise?


Mick Kelly: Die gesamte Geschichte des US-Monopolkapitalismus ist eine der periodischen Überproduktionskrisen, die typischerweise etwa alle sieben Jahre auftritt. Die US-Wirtschaft war mit einer Krise überfällig, und selbst im vergangenen Jahr konnte es in bestimmten Sektoren, zum Beispiel im Energiesektor, zu einer Überproduktion kommen. Die Pandemie hat sie verschärft, und wir befinden uns jetzt inmitten der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Die Aufgaben der Kommunisten in der kommenden Periode werden zum Teil davon geprägt sein, wie sich die Krise des Kapitalismus entwickelt.


Rote Fahne: Trump will die Produktion und den Handel sehr bald steigern, obwohl die Ansteckungsgefahr weiter zunimmt. Was denken die Menschen darüber angesichts seines katastrophalen Krisenmanagements?


Mick Kelly: In dem Maße, wie es Trump und seinen Lakaien gelingt, "die Wirtschaft wieder zu öffnen", wird es ihnen gelingen, das mehr Menschen getötet werden. Trump und seinen Lakaien ist es gelungen, einige - vor allem Kleinunternehmer - für eine Rückkehr zum normalen Geschäftsleben zu mobilisieren. Keine Politik der Regierung, einschließlich der Rettungsaktionen für Konzerne, wird die Tatsache ändern, dass der US-Kapitalismus jetzt in eine tiefe Krise geraten ist.


Die meisten Menschen sind sehr besorgt um ihre Sicherheit und um ihren Lebensunterhalt, und viele sind wütend. Dabei sind die unterdrückten Nationalitäten - Afroamerikaner, Chicanos und Latinos sowie Ureinwohner - am stärksten von der Pandemie betroffen. Nach unseren Erfahrungen wächst Trumps Unterstützung nicht, vielmehr wächst die Wut auf die Trump-Regierung.


Rote Fahne: Ihr habt ein Programm gegen COVID-19 veröffentlicht, das die Forderungen der Arbeiter betont. Welche Erfahrungen habt Ihr im Kampf für diese Forderungen gemacht?

 

Mick Kelly: Zum jetzigen Zeitpunkt verfügen wir in den Gewerkschaften über beträchtliche Erfahrungen im Kampf gegen die Auswirkungen der Pandemie. Wir fordern ein kostenloses Gesundheitssystem für alle, aber das Wichtigste ist jetzt, den Kampf um bestimmte Kämpfe - zum Beispiel um persönliche Schutzausrüstung (PSA) - zu führen. In der Logistik haben wir einige Erfolge im Kampf um die PSA erzielt. Wir mobilisieren auch die Arbeiterinnen und Arbeiter für den Kampf um die Gefahrenzulage. In unserer Arbeit unter den Beschäftigten im öffentlichen Sektor fordern wir, dass alle Arbeiterinnen und Arbeiter zu Hause bleiben können und dass wir unseren Lohn und unsere Zulagen beibehalten. Eine Taktik, die angewendet wird sind Autokorsos, die die Abstandsregelungen einhalten.


Rote Fahne: Habt Ihr Anregungen für die internationale Zusammenarbeit?

 

Mick Kelly: Im Hinblick auf die internationale Zusammenarbeit ist es für Kommunisten und Revolutionäre immer gut, Erfahrungen auszutauschen, damit wir voneinander lernen können. Außerdem ist es für uns äußerst nützlich, die Arbeit und die Ansichten von Kommunisten in anderen Ländern bekannt zu machen, damit unsere jeweiligen Arbeiterklassen verstehen, dass andere mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind und dass wir überall Freunde haben.


Rote Fahne: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in eurer Arbeit!