Nordrhein-Westfalen

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Schlechte Noten für die Schulpolitik

Einmal im Jahr bekommt die Landesregierung NRW von Schulleitern ein Zeugnis ausgestellt.

Von MLPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen
Schlechte Noten für die Schulpolitik
Yvonne Gebauer und die Schulen zu Corona-Zeiten - ein Offenbarungseid (foto: Apfel3748 (CC BY-SA 3.0))

Obwohl diese Befragung noch vor der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, ist das jetzt veröffentlichte Ergebnis ein Offenbarungseid für die Schulpolitik der Landesregierung - besonders von Schulministerin Yvonne Gebauer.

 

Mit der Wiedereröffnung der Schulen unter der Bedingung der Corona-Pandemie werden die Folgen noch weitaus dramatischer als in den als „normal“ gekennzeichneten Zeiten vor Ausbruch der Pandemie. Trotzdem hat Ministerin Gebauer die Stirn, zu behaupten: „Wir sind alle noch nie mit einer solchen Ausnahmesituation konfrontiert worden. Es gibt weder ein Falsch noch ein Richtig in einer solchen Situation, sondern es gibt Einschätzungen. Und die sind unterschiedlich.“

Alles offen?

Natürlich wirft die Pandemie ständig neue Fragen auf, die wissenschaftlich beantwortet werden müssen, um notwendige Schutzmaßnahmen richtig zu bestimmen und die Pandemie wirksam bekämpfen zu können. Aber alles offen? Auch Frau Gebauer dürfte wissen, dass das Coronavirus sich über Tröpfcheninfektion ausbreitet.

 

Aus den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Corona-Pandemie hat der Jugendverband „REBELL“ in einem Forderungsprogramm zur Öffnung von Schulen und Kitas unter anderem abgeleitet: „Der Gesundheitsschutz steht an erster Stelle. Dazu gehört regelmäßige Hygieneerziehung, sorgfältige Hygiene in allen Klassen, Fluren. Sanitäranlagen, kostenlose Masken für alle und natürlich Tests, Tests, Tests! Schüler und Lehrer testen vor Wiederaufnahme des Schul- und Kita-Betriebes.“ Und an anderer Stelle: „Kleine beständige Lerngruppen von maximal zehn Schülern … Die Lehrer müssen Zeit haben, zusätzliche Hausaufgaben und Online-Unterricht anzuleiten, persönlichen Kontakt zu Kindern und Eltern zu halten.“ (Veröffentlicht unter anderem auf Rote Fahne News am 12. Mai und auf www.rebell.info)

Eklatanter Mangel an Lehrern

Soweit die Jugend. Warum will Frau Gebauer von solchen, auf gesicherten Erkenntnissen basierenden Maßnahmen nichts wissen? Weil sich - als Ergebnis ihrer Schulpolitik - die Situation der Schulen weiter dramatisch verschlechtert hat. So geben 70 Prozent der befragten Rektoren an, mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen kämpfen zu müssen, womit NRW weit über dem Bundesdurchschnitt von 59 Prozent liegt.

 

Weiterhin arbeiten 75 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen mit sogenannten „Seiteneinsteigern“, die meist ohne vorherige pädagogische Qualifizierung direkt ins kalte Wasser springen müssen, damit der Schulbetrieb überhaupt notdürftig aufrechterhalten werden kann.

Lehrer aus Risikogruppen werden verpflichtet

Dieser eklatante Mangel an Lehrern ist Ergebnis der jahrzehntelang betriebenen Umverteilungspolitik der Landeseinnahmen zugunsten der Monopole. In voller Kenntnis der Altersstruktur im Lehrerbereich wurde die Ausbildung und Einstellung junger Lehrer zurückgefahren, teils mit Numerus Clausus behindert und stets mit „rückläufigen Schülerzahlen“ gerechtfertigt. Um dieser Not auch nur ansatzweise Herr zu werden, verpflichtet die Landesregierung aktuell auch Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, zur Anwesenheit wie vor Kurzem bei den Abiturprüfungen.

 

Die jahrelang erzwungenen Notstandshaushalte unter Aufsicht der Bezirksregierungen haben die dringend notwendige Sanierung vieler Schulgebäude schlicht unmöglich gemacht. Obwohl sie das genau weiß, erklärte Gebauer im Landtag: Trotz üppig ausgestatteter staatlicher Hilfsprogramme seien die Gelder vielerorts nicht zur nötigen Sanierung und Ausstattung der Schulen abgerufen und verwendet worden. “Da gibt es manchen Offenbarungseid“, behauptete die Ministerin im Schulausschuss.

Weitere Rücktrittskandidatin

Ja, diesen Offenbarungseid erkennt man bei Ministerin Gebauer sehr deutlich. Ihre Partei, die FDP, geht gern mit einem Image hausieren, sie vertrete mit Bildung auf dem Niveau der Digitalisierung eine Politik, die die Herausforderungen der heutigen Zeit erkennt und annimmt. Allerdings ging das leider weitgehend an der schulischen Wirklichkeit vorbei.

 

60 Prozent der Schulleiter in NRW haben nicht in allen Klassen- und Fachräumen WLAN zur Verfügung. Fast genauso viele haben auch keine Tablets und Smartphones für ihre Klassen. Damit wird ein ergänzender digitaler Unterricht zu Hause gerade in Corona-Zeiten massiv infrage gestellt. Was bleibt, ist ein Alibi-Unterricht von ein paar Tagen im Monat, wenn nicht in Kauf genommen werden soll, dass die Schulen zu Pandemie-Hot-Spots erster Klasse werden.

 

Gebauer erweist sich als ebenbürtige Ministerin in der Riege der Regierung Laschet: Sie ist auch Rücktrittskandidatin infolge einer menschenverachtenden Politik, garniert mit betrügerischen Phrasen.