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Klinikkonzerne profitieren – Wachsender Widerstand gegen Überbelastung

Von der Corona-Pandemie profitieren die internationalen Klinikkonzerne.

Von mts
Klinikkonzerne profitieren – Wachsender Widerstand gegen Überbelastung
Die Helios-Klinik in Bochum-Linden (foto: Michael Bisanz, 2003, with permission: GFDL (CC BY-SA 3.0))

Der Helios-Konzern nutzt die lange geplante Schließung einer Klinik für Allgemeinversorgung im Stadtteil Bochum-Linden, um noch die Bettenpauschale von 560 Euro pro Tag mitzunehmen. Laut Gesetz ist diese Vergütung bis Ende September befristet. Die Helios-Klinik stellte sich also als Teil des Pandemie-Konzepts der Stadt Bochum zur Verfügung. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Klinik will noch bis Ende September die Betten bereithalten. Der Helios-Konzern ist einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Europa. Als Marktführer machte Helios 2016 5,8 Milliarden Euro Umsatz und 543 Millionen Euro Gewinn. Zur Helios-Gruppe gehören über 110 Kliniken, darunter sieben Maximalversorger.

 

Große Lettern verkünden, die Corona-Pandemie sei gleichbedeutend mit der Pflegekrise. „Pflegekrise“ ist ein anderes Wort für die massive Steigerung der Ausbeutung der Pflegekräfte in den privatisierten Kliniken - schon lange vor der Corona-Pandemie! Auch in der Corona-Pandemie werden Pflegekräfte bei berechtigter Kritik eingeschüchtert und bedroht. So geschehen am Essener Uniklinikum, als sich eine Schwester nach dem Urlaub auf einer Corona-Station wiederfand. Nach einer halbstündigen Einweisung sollte sie die Überwachungsmonitore beherrschen. Der Personalschlüssel blieb gleich und als sie eine Überlastungsanzeige stellte, wurde sie versetzt.

 

Am Uniklinikum Augsburg sollte ein Beschäftiger eine Unterlassungserklärung unterschreiben, weil er angeblich den "Ruf des Klinikums nachhaltig" schädigen würde. Er hatte eine Petition initiiert, dass unnötige Operationen während der Pandemie unterlassen werden sollten. Gesundheitsminister Jens Spahn hat mit seinem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz auch gleich die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung für sechs Monate ausgesetzt.

 

Die Realität für die Krankenpflegerinnen und -pfleger ist: Steigende Patientenzahlen und die Absenkung der durchschnittlichen Verweildauer von 14 auf teilweise sechs Tage bedeuten: Musste 1991 eine Vollzeitkraft noch 45 Patienten versorgen, waren es 2013 schon 59. Dies stieg in den Jahren danach weiter drastisch an. Parallel dazu ging das Personal um 1,2 Prozent zurück, die Mehrarbeit stieg um 32 Prozent, die Überstunden erhöhten sich um 57 Prozent. Die privaten Klinikkonzerne werden als effizient und kostensparend gerühmt. Das sind sie auch: für die Dividenden der Aktionäre und Fondsmanager.

 

Der Kampf der Krankenhausbeschäftigten für bessere Arbeitsbedingungen, gegen Krankenhausschließungen und höhere Löhne muss gerade jetzt in der Corona-Pandemie verstärkt aufgenommen werden. In einem Forderungskatalog schreibt der Koordinierungskreis der Teamdelegierten am Universitätsklinikum Jena: „Nicht ... die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten stehen im Mittelpunkt, sondern die betriebswirtschaftlichen Gewinne jeder einzelnen Erkrankung! … Für die Dauer der Corona-Krise fordern wir für alle Krankenhaus-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter inklusive der Beschäftigten in den Tochtergesellschaften eine Gefahren- und Belastungszulage von 500 Euro pro Monat steuerfrei.“