Sonthofen

Sonthofen

Voith: „Wir brauchen die Arbeitsplätze vor Ort ..."

"Wo sollen die Jungen denn noch arbeiten?“ So brachte es ein Kollege auf den Punkt, als wir am 15. Mai bei einem Besuch in Sonthofen mit ihm und anderen Kollegen über die Lage der ca. 570 Beschäftigten diskutierten. Seit dem 23. April befinden sie sich im unbefristeten gewerkschaftlichen Streik für ihre Arbeitsplätze.

Korrespondenz
Voith: „Wir brauchen die Arbeitsplätze vor Ort ..."

Viele Voith-Arbeiterinnen und -Arbeiter sind schon jahrzehntelang im Betrieb, zum Teil haben schon ihre Eltern hier gearbeitet. Liebevoll nennen die Arbeiter das Werk "unsere Hütte".

 

Dicht gedrängt hängen die Solidaritätserklärungen an der Stellwand im Streikzelt. Anteilnahme und Solidarität sind weit über die Region hinaus riesig. Die Arbeiter dort sind stinkwütend, dass Voith ihr schwarze Zahlen schreibendes Werk ohne Not schließen will. Sie sind sich sicher, dass die in Sonthofen gefertigten Präzisionsturbinen, für die sie sich jahrzehntelang das spezielle Know-how angeeignet haben, nicht einfach so im Werk Crailsheim gefertigt werden können, wie von der Geschäftsleitung von Voith geplant.

 

Seit 19. Mai verhandelt die IG Metall jetzt mit der Geschäftsleitung über einen Sozialtarifvertrag. Bereits am 1. Juni sollen die ersten „Verlagerungen“ beginnen. Die ersten Versuche der Konzernleitung, schon vor einigen Wochen erste Maschinen abzutransportieren, haben die Streikenden mutig und entschlossen mit Torblockaden gekontert. Für ca. 160 Beschäftigte werden Arbeitsplätze in Crailsheim angeboten, in Sonthofen ist ein Bürotrakt geplant für Konstruktion, Ingenieure usw. „Aber nach Crailsheim“, meint der Kollege, „nie im Leben, erstens habe ich meine Familie hier, zweitens will unter Voith hier keiner mehr arbeiten.“

 

Weitergehende Kampfmaßnahmen, wie einen nötigen selbstständigen Streik für den Erhalt der Arbeitsplätze kann er sich wegen der rechtlichen Seite erst mal nicht vorstellen. Man spürt deutlich, die Arbeiter von Voith würden gerne weiter kämpfen. Dafür haben wir unsere Hilfe und Unterstützung angeboten. Dazu gehört auch die notwendige Auseinandersetzung, dass ein Streik um einen Sozialtarifvertrag in die Sackgasse führt, denn er akzeptiert die Schließung und die Arbeitsplatzvernichtung. Im aktuellen Rote Fahne Magazin wird von Gesprächen mit Voith-Kollegen berichtet, wo die Erfahrungen mit selbständigen Streiks anderer Belegschaften wie in Rheinhausen oder Opel Bochum auf Interesse stießen.

 

Hier das Rote Fahne Magazin bestellen - am besten gleich im Abo!