Krisenmanagement im Kreuzfeuer (18)

Krisenmanagement im Kreuzfeuer (18)

"Was beim Abi möglich ist, muss zu 100 Prozent auch bei Azubis realisiert werden!"

Viele Betroffene protestieren gegen das Krisenmanagement der Regierung an Schulen und Unis. Von einer anderen Front wird von den gravierenden Auswirkungen kaum berichtet - bei der Arbeiterjugend. Faktencheck:

Von gos

Die kapitalistische Weltwirtschaftskrise, verstärkt durch die Corona-Krise, treibt Hunderttausende Firmen in die Pleite, 750.000 sind schon jetzt in Kurzarbeit. Darunter sind viele kleine Betriebe – und die bilden 71,2 Prozent aller Azubis aus. (Berufsbildungsbericht) An den Berufsschulen sind jetzt schon 12.000 Abschluss-Lehrgänge weggefallen. Digital-Unterricht gibt es hier oft am wenigsten.

 

Hunderttausende Azubis haben deshalb in diesem Sommer Probleme, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen! Was macht die Regierung? Arbeitsminister Hubertus Heil rief am 25. Mai eine „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ ins Leben. Regierung, Kapitalisten und Gewerkschaften erklärten vollmundig: Es könnte Prämien geben für die Betriebe, die Lehrlinge aus pleite gegangenen Betrieben übernehmen und bei ihnen den Abschluss machen lassen. (SZ 26.5.) Jahrelang haben sie viel daran gesetzt, dass es zu keinen Übernahmekämpfen kommt – obwohl gerade die großen Monopole jedes Jahr über 10.000 Lehrstellen vernichteten. Da sorgen sich die Herrschenden, wie sie diese „Ruhe“ weiter halten können.

 

Heils' Projekt ist sehr unrealistisch: 25 Prozent aller Handwerksbetriebe haben schon jetzt erklärt, dass sie ab sofort die Zahl ihrer Lehrstellen zurückfahren wollen, und fast der ganze Rest will keine neuen einrichten!

 

Statt wolkiger Ankündigungen muss die Forderung lauten: Für die Organisierung von Abschlussprüfungen und die Gewährleistung gründlicher Vorbereitung – was beim Abi möglich ist, muss zu 100 Prozent auch bei Azubis realisiert werden! Ferner gilt mehr denn je: Unbefristete Übernahme aller Azubis entsprechend der Ausbildung! Mit der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, wie sie die MLPD seit jeher fordert, müssen wir neue Arbeitsplätze erkämpfen! Azbis aus Pleite-Betrieben müssen von anderen Betrieben übernommen bzw. weiter ausgebildet werden – sonst darf es für sie keinerlei Kredite, Prämien usw. geben! Keine Spaltung der Azubis - jung und alt gemeinsam!