Rüsselsheim

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Provokation der Opel-Belegschaft - PSA will an die Betriebsrente ran

Gestern schrieb Opel-Personalvorstand Ralf Wangemann einen unverschämten Brief an die „lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Ein Korrespondent berichtet dazu aus Rüsselsheim:

Von Korrespondent aus Rüsselsheim
Provokation der Opel-Belegschaft - PSA will an die Betriebsrente ran
Warnstreikaktion von Opelanern - vor der Corona-Krise (Foto: RF)

In dem Brief zündet Wangemann die Bombe: „Um Opel zukunftssicher aufzustellen, ist es auch erforderlich, dass wir gemeinsam mit dem Betriebsrat die richtigen Anpassungen für das derzeit bei Opel geltende System der betrieblichen Altersversorgung festlegen.“ Was sollen "Anpassungen" anders sein als Kürzungen?

 

Das ist ein Angriff auf die Löhne und Renten der Opel-Belegschaft. Die PSA-Rekordprofite aus letztem Jahr sollen auch 2020 fließen und aus uns herausgeholt werden! Hier geht es nicht um Kleinigkeiten. Seit der Absenkung der gesetzlichen Renten durch Schröders Agenda 2010 rechnen viele Kolleginnen und Kollegen fest mit der Betriebsrente: „Ich habe jahrzehntelang meine Knochen für Opel kaputt gemacht, und jetzt das?! Wir haben sie erarbeitet. Das lassen wir nicht mit uns machen.“

Als erstes die Bergleute - jetzt die Automobilarbeiter?

Die Opel-Rente kann je nach Werkszugehörigkeit ohne Weiteres ein Drittel der zu erwartenden Rentenbezüge ausmachen. Gerade im Rhein-Main-Gebiet mit den horrenden Mieten droht ohne Opel-Rente Altersarmut. Als PSA die GM-Fertigung in Europa 2017 übernahm, musste GM 4 Milliarden Euro für die Absicherung der Altersversorgung an PSA überweisen. An dieses Geld will PSA ran und die Bundesregierung hat mit den Gesetzesänderungen zu den Betriebsrenten dafür Tür und Tor geöffnet. Als erstes bekamen es die Bergleute zu spüren – jetzt steigt ein Testballon für die Autoindustrie.

 

Wangemann verspricht: „Bereits erworbene Ansprüche bleiben vollständig erhalten.“ Das ist erstens völlig unglaubwürdig und soll zweitens Junge und Alte spalten. Wer glaubt denn ernsthaft, Opel würde Ruhe geben, wenn sie mit dem Rentenklau bei einem Teil durchkommen?

Ein gebrochenes Versprechen nach dem anderen

Ständig wurden in den letzten zweieinhalb Jahren Versprechen von PSA gebrochen. Erst letzte Woche hat der Konzern die Schließung von Getriebebau und Schmiede verkündet. Das sollen die ersten 200 von nochmal bis zu 4.100 Arbeitsplätzen sein, die zusätzlich bis 2025 rasiert werden sollen. 2017 sollten es erst 3.700 sein, 2018 wurden es 6.700!

 

Und jedesmal sollte damit „die Zukunft der Marke Opel“ gesichert werden. Von uns Arbeitern ist keine Rede. Aber als Belohnung für die erfolgreiche Vernichtung von Arbeitsplätzen hat Opel-Chef Michael Lohscheller im April satte 1,9 Millionen Euro Bonus kassiert. Rechnerisch für jeden bis jetzt vernichteten Arbeitsplatz satte 280 Euro fett in Tasche rein von „Lügscheller“. Auch Wangemann wird sich schadlos halten.

Von wegen „gemeinsam gegen Corona“!

Die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden, die noch im Dezember 2019 zugesagt wurde, ist nirgends schriftlich zugesichert. Bis heute fehlen der Belegschaft die tariflichen Einmalzahlungen von 1.400 Euro aus 2019. In Bochum will Opel die 37,5-Stunden-Woche und eine neue Niedriglohnstruktur durchsetzen. Wenn Wangemann davon spricht, Opel „zukunftsfest“ zu machen, geht es ihm um die verschärfte Abwälzung der Krisenlasten auf die Belegschaften, Rentner und Familien. Von wegen „gemeinsam gegen Corona“!

 

Die Ankündigung des dritten Modells für Rüsselsheim war nur der Versuch, den Kampf um jeden Arbeitsplatz und um unsere Löhne zu zersetzen. Diese Rechnung wird nicht aufgehen. Genauso ist auch der Tarifabschluss mit der Nullrunde nicht hinnehmbar. Die Diskussion beginnt: „Höchste Zeit, wieder Gewerkschaftsversammlungen durchzuführen“, „Wir müssen endlich streiken“ und „Irgendwann muss Schluss sein“. Die Nissan-Kollegen in Spanien zeigen, wie unter Corona-Bedingungen gestreikt werden kann (mehr dazu). Dieser Kampf muss mit aller Entschiedenheit vorbereitet werden.

 

Die Kollegenzeitung "Der Blitz" hat all dies vorausschauend und treffsicher prognostiziert. Manche zweifelten, ob das nicht übertrieben ist. Inzwischen kann man sich schwarz auf weiß davon überzeugen. Auf die Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit OFFENSIV und die Betriebsgruppen der MLPD ist Verlass. Stärkt deshalb die MLPD und die kämpferische Richtung in der IG Metall!