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Gütetermin Sitech/VW Kollegen: „Wir geben definitiv nicht auf - nicht im Gericht, nicht auf der Straße!“

Das VW-Komitee Hannover hatte zur Kundgebung anlässlich des Gütetermins im Prozess der Kollegen von Sitech/VW gegen ihre Entlassung aufgerufen. 30 bis 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren vor Ort. Die Kundgebung war geprägt vom Kampfgeist der Kolleginnen und Kollegen, Unterstützerinnen und Unterstützer.

Von Korrespondenz
Gütetermin Sitech/VW Kollegen: „Wir geben definitiv nicht auf - nicht im Gericht, nicht auf der Straße!“
Die Sitech-Belegschaft beim Protest Anfang des Jahres (rf-foto)

Verschiedene Kollegen berichteten von ihrem Leben. Einige von ihnen haben vor der Arbeit bei Sitech schon als Leiharbeiter bei der VW-Tochter Autovision gearbeitet. Fast alle haben Familien mit Kindern. Im Vertrauen, bei Sitech endlich einen sicheren Job zu haben, hat sich ein Teil ein Haus gekauft. All das macht deutlich, dass wir Arbeiterinnen und Arbeiter um unsere Arbeitsplätze kämpfen müssen. Für uns kann es keine Perspektive sein, von einer Leiharbeit in die nächste zu wechseln!

 

Uwe Wagner, der Landesvorsitzende der MLPD Nord, ordnete ein, worum es bei der „gütlichen Einigung“ bei einem Gütetermin geht: „VW/Sitech zeigt Güte: Sie schmeißen gütlich die Kollegen raus – zahlen ein paar Kröten dafür und sind die Kollegen los! (…) Und wer freut sich darüber: vor allem die Familien Porsche und  Piëch und die reaktionäre Herrscherfamillie Quatars. Die Sitech/VW-Kollegen, die Arbeiter sollen auch Güte zeigen – gegenüber Porsche, Piëch und den reaktionären Scheichs: sie möchten doch bitte so gütig sein, auf ihre festen Arbeitsplätze und damit auf den sicheren Lebensunterhalt ihrer Familien zu verzichten.“

 

Die Sitech/VW-Kollegen haben sich entschlossen zu klagen, weil sie nicht bereit sind, sich ihren Arbeitsplatz abkaufen zu lassen. Sie wollen die Schließung des Werks und die Machenschaften von VW an die Öffentlichkeit bringen. Zu der Kundgebung und dem Gütetermin wurde die Presse eingeladen. Außerdem wurde beides vor den Toren von VW mit einem Flugblatt bekannt gemacht, was auf großes Interesse stieß. Immer wieder sagten Kollegen: „Viel Glück in eurem Kampf.“ Beide Tageszeitungen aus Hannover waren vor Ort und haben berichtet. Die Redebeiträge auf der Kundgebung zeigten, dass der Kampf der Sitech/VW-Kollegen nicht isoliert ist und es weitere Kämpfe um Arbeitsplätze gibt.

 

Im Gericht zeigte VW - wie zu erwarten war - dass es die Kollegen auf keinen Fall weiter beschäftigen will. Sitech/VW leugnete, dass die Schließung von langer Hand geplant war, und rechtfertigt die Schließung damit, dass Sitech den Auftrag von VW leider verloren habe. Das entlarvte der Anwalt Frank Stierlin: Bei dieser Koalitionsverhandlung hat Herr I. Fleischer als Geschäftsführer von Sitech ein Angebot abgegeben, und der gleiche Herr I. Fleischer hat als Geschäftsbereichsleiter Sitze der Volkswagen Gruppe Komponente das Angebot dann als zu teuer abgelehnt. VW/Sitech hält weiter an der Festlegung fest, dass den Kollegen im Fall einer Niederlage vor Gericht nur ein Viertel der Abfindung zustehen soll. Eine Regelung, die von Arbeitsrechtlern durchgehend als rechtswidrig angesehen wird. Das bestätigte, dass der Weg des Kampfes richtig ist, und die Kollegen bestanden erst Recht selbstbewusst darauf, einen Arbeitsplatz im VW-Konzern zu bekommen.

 

So zog ein Kollege das Fazit: „Wir geben definitiv nicht auf - nicht im Gericht nicht auf der Straße! Wir werden die Abfindung auch nicht annehmen, wenn sie noch höher ist. Wir bestehen auf unserem Arbeitsplatz. Wir wollen eine Weiterbeschäftigung.“ Frank Stierlin sagte dazu: „Ich geben mein Bestes, euren politischen Kampf juristisch zu begleiten.“ Auch alle Unterstützer betonten, dass sie den Kampf der Kollegen weiter unterstützen. Unsere Einheit wächst auch im Zusammenhang damit, mit dem Antikommunismus fertig zu werden. Ein Kollege bedankte sich für das Engagement der MLPD für ihren Kampf: „Dank der MLPD-Partei bin ich zu einem solidarischen Kämpfer geworden.“ In der Zusammenarbeit mit der MLPD bestärkte sie auch ein Metallarbeiter aus Dortmund: „Mobbing, Druck, Hoffnungen, Speichelleckerei, das darf man nicht persönlich nehmen. Das ist immer Mittel zum Zweck. Dagegen brauchen wir Arbeiter eine Art Imprägnierung. Das muss an uns abperlen. Wir brauchen Solidarität und Zusammenhalt!“

 

Beendet wurde die Kundgebung passend mit den Lied „Erhobenen Hauptes“ und alle Beteiligen sind erhobenen Hauptes nach Hause gegangen.