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Canto Vivo: Regierung verschuldet Bedrohung durch Corona-Pandemie bei Indigenen

Angesichts des verheerenden Vormarschs des neuartigen Coronavirus (COVID-19) in der ganzen Welt und besonders im Amazonasgebiet erklärt die peruanische Umweltorganisation Canto Vivo:

Canto Vivo: Regierung verschuldet Bedrohung durch Corona-Pandemie bei Indigenen
Für die indigenen Menschen in Peru ist Corona eine Katastrophe (foto: Ljuba brank ( CC BY-SA 3.0))

Die indigenen Völker des Amazonas zeichnen sich durch ein hohes Maß an Anfälligkeit gegenüber Krankheiten aus, die sich intensiv und unterschiedslos ausbreiten, wie zum Beispiel die Grippe und später Tuberkulose, Hepatitis, Dengue, Zika, Malaria, Diabetes, HIV/AIDS und so weiter. Während dieser Epidemien hatten sie weder Zugang zu Gesundheitsdiensten, noch haben sie diese jetzt, und wenn es solche gibt, sind sie sehr problematisch.

 

Verschärft wird diese Situation dadurch, dass mehr als zwei Monate nach Ausrufung des nationalen Notstands noch immer keine differenzierte Politik zum Schutz der indigenen Bevölkerung und zur Sicherung ihrer grundlegendsten Bedürfnisse - Leben, Gesundheit und Familienwirtschaft - existiert.

 

In Anbetracht der in der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation enthaltenen Forderung muss die Strategie des Staates die obligatorische gegenseitige Koordination berücksichtigen. Daher ist eine dringende Koordinierung zwischen den jeweiligen regionalen Gesundheitsdirektoraten und den Organisationen der indigenen Völker erforderlich, um Präventivmaßnahmen in jeder einzelnen der Gemeinden umzusetzen. Gleichermaßen ist es wichtig, mit allen möglichen Mitteln Anleitung zu geben und medizinische Empfehlungen zu verbreiten.

 

Unerlässlich ist, die Schließung der indigenen Gebiete zu respektieren, die von den Gemeinden selbst als wirksame Strategie angenommen wurde, um die Verbreitung von COVID-19 zu verhindern, das durch Fremde in die Gemeinde gelangt. Die Mitglieder der Nationalpolizei und der Streitkräfte haben jedoch, ohne die Selbstverwaltung der Gemeinden zu respektieren, nicht zur Schließung beigetragen. So konnten Außenstehende als mögliche Träger des Virus in die Gemeinden eindringen.

 

Es ist anzumerken, dass die Regierung die Reaktivierung wirtschaftlicher Aktivitäten so interpretiert, dass viele Unternehmen ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in indigenen Gebieten nie eingestellt haben. Es sind nicht nur die formellen Unternehmen, sondern auch die informellen und illegalen, die weitermachen, ohne dass jemand sie überwacht oder sanktioniert. Wenn sie vorher nur sehr wenig staatliche Kontrolle vorfanden, so ist diese jetzt verschwunden. Daher haben sich die Risiken für die indigene Bevölkerung mit dem unaufhörlichen Transit von Menschen durch ihre Gebiete vervielfacht.

 

Die schreckliche Entscheidung des Staates, Wirtschaftszweige wie Forstwirtschaft, Bergbau und Ölindustrie zu reaktivieren, hat dazu geführt, dass das neue Coronavirus in den indigenen Gemeinden Fuß gefasst hat. Fast alle wirtschaftlichen Aktivitäten haben nie aufgehört. Im Gegenteil, sie standen im Mittelpunkt der Übertragung von COVID-19. Es ist daher ein Verbrechen, der Wirtschaft Vorrang vor der Gesundheit einzuräumen.

 

Auf der anderen Seite prangern wir auch die zahllosen Korruptionsakte im Zusammenhang mit dem Erwerb von Lebensmitteln und Medikamenten an. Wir verurteilen die Behörden, die inmitten der Pandemie weiterhin ohne jede Rücksicht weitermachen und sich auf Kosten der Ärmsten und Schwächsten, wie zum Beispiel der Angehörigen indigener Völker, bereichern.

 

Wir fordern, dass sich der Staat ... an die Gestaltung und Umsetzung der öffentlichen Politik zur Bekämpfung der Auswirkungen der Pandemie in der indigenen Welt hält.

 

Wir bringen auch unsere Solidarität mit allen indigenen Völkern des Amazonasgebiets zum Ausdruck und fordern, dass jeder einzelne Amazonasstaat die Gesundheit und das Leben der Angehörigen der zahlreichen indigenen Völker schützt.

 

Wir identifizieren uns ebenso mit der von der Konföderation der indigenen Organisationen des Amazonasgebiets von Peru vor den Vereinten Nationen erhobenen Anklage gegen den peruanischen Staat wegen der "Gefahr des Ethnozids", der die Ureinwohner des größten Tropenwaldes der Welt durch das COVID-19 ausgesetzt sind.

 

Nachdem der Amazonas zur großen Ansteckungsroute von COVID-19 gemacht wurde, fordern wir seine vordringlichste Kontrolle. Und wir fordern entschieden die entsprechende Aufmerksamkeit für die Tausende von infizierten Einwohnern der brasilianischen Regenwaldhauptstadt Manaus, deren Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, ebenso wie für die Einwohner von Loreto, der wichtigsten Amazonasstadt Perus, wo die Menschen auf der Straße ebenso sterben wie in Leticia, der wichtigsten kolumbianischen Stadt an der Grenze zu Brasilien.

 

 

Hinweis der Redaktion: Solidarität International und die Umweltgewerkschaft können Interviewanfragen an Canto Vivo vermitteln.