Religion

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Zu Corona-Ausbrüchen durch Gottesdienstbesuche

Vor einigen Tagen rückten Kirchengemeinden kurzfristig als Ausgangspunkt für Corona-Ausbrüche in den Fokus der Öffentlichkeit. Sowohl in einer freien Baptisten-Gemeinde in Frankfurt am Main als auch in einer freikirchlichen evangelischen Pfingstgemeinde kam es infolge von Gottesdiensten zu Corona-Ausbrüchen.

Von ffz
Zu Corona-Ausbrüchen durch Gottesdienstbesuche
(Grafik: Nilses - Eigene Herstellung / gemeinfrei)

Kirchen als Hot Spots? Eigentlich nicht unlogisch, wenn man sich die Abläufe von Gottesdiensten ansieht. Deshalb gelten gesetzlich festgelegt Regeln: In Hessen sind ein Mindestabstand von 1,50 Metern, Verzicht auf Gemeindegesang und das Tragen von Mund-Nase-Schutz bei Gottesdiensten vorgeschrieben.

 

Bei den beiden betroffenen Gemeinden ist nach allem, was bisher bekannt geworden ist, nicht auf den Gesang verzichtet worden. Verschärfend kam hinzu, dass die Gemeindemitglieder dabei auch keine Mund-Nasen-Masken getragen haben. Das Ergebnis: Mindestens 200 Infizierte in Frankfurt sind in häuslicher Quarantäne. Einige Mitglieder liegen auf der Intensivstation.

 

Wenn man genauer hinsieht, ist Kirche allerdings nicht gleich Kirche: Die hier genannten Gemeinden gehören zu weltanschaulich sehr reaktionären Freikirchen, die ihren Hauptsitz in den USA haben, Gläubige als Elite ansehen, und politisch wie religiös der Linie Donald Trumps nahe stehen. Hier wird der Gottesglaube über die Naturgesetze gestellt, wonach es keine Schutzmasken brauche. Gott werde einen sowieso schützen.

 

Insgesamt wird seitens der Kirchen sehr verantwortungsbewusst mit den Corona-Bestimmungen umgegangen. So hat sich zum Beispiel Gelsenkirchens Stadtdechant Markus Pottbäcker von Anfang an hinter die Schutzmaßnahmen gestellt und sorgt auch heute noch für die Einhaltung derselben

 

Religion und Glaube sind selbstverständlich Privatsache. Damit bleibt auch jedem selbst überlassen, ob er einen Gottesdienstes unter Corona-Schutzbestimmungen besucht. Wichtig ist dabei, dass der gesunde Menschenverstand nicht ausgeschaltet wird, wie es in den jetzt betroffenen Gemeinden offensichtlich der Fall war.