Argument

Argument

Lenin kommt nach Gelsenkirchen – Stadt kontert mit antikommunistischer Wanderschau

Am heutigen 19. Juni, also einen Tag vor Enthüllung der Lenin-Statue vor der Horster Mitte, gastiert die Wanderausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter" im benachbarten Schloss Horst.

Von ffz

Natürlich begrüßt die MLPD, das es jetzt zu einer Diskussion um den Kommunismus kommt. Das ist ein gutes und wichtiges Ergebnis der morgigen Enthüllung der Gelsenkirchener Lenin-Statue. Die Frage ist aber: Welche Art von Diskussion wird hier geführt?

 

Herausgegeben wurde die Ausstellung von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der "SED-Diktatur" und vom Deutschen Historischen Museum. Mit der Methode des modernen Antikommunismus werden die hoffnungsvollen sozialistischen Ansätze in der frühen DDR  automatisch mit Mauer, Schießbefehl und Stasi der revisionistisch entarteten DDR ab 1956 gleichgesetzt. Konzipiert hat die Ausstellung das einst führende Mitglied des längst begrabenen „Kommunistischen Bunds Westdeutschland“ (KBW), Gerd Koenen, der sich heute im Namen des modernen Antikommunismus betätigt.

 

Eine Kostprobe aus der Rezension seines aktuellen Buchs „Die Farbe Rot“: „Lenin habe ... sich mit seiner Kaderpartei der Führung des Reiches bemächtigen und (sich) dank seines blutigen Kriegskommunismus durchsetzen können.“¹

 

Zu den objektiven Fakten: Der Frieden von Brest-Litowsk, der unter Lenins Führung erfolgte, bedeutete für Russland große Gebietsverluste. Aber Lenin war die Beendigung des Kriegs wichtiger. Den folgenden Bürgerkrieg brachen die imperialistischen Staaten vom Zaun. Die Toten für diesen Krieg jetzt posthum pauschal Lenin in die Schuhe zu schieben, ist der Versuch der Monopolparteien, Stimmung im Stadtteil schüren zu wollen.

 

In der heutigen Regionalausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) für Gelsenkirchen-Buer wird denn auch unter dem Titel "Ausstellung soll aufrütteln" über die Ausstellungseröffnung - die entgegen anderer Ankündigung ohne Koenen auskommen musste - berichtet. Dort erklärt Andrea Lamest, Leiterin des städtischen Referats Kultur, dass sie Kontakt zum Sohn des Künstlers Vladimir Kyn, der die Gelsenkirchener Lenin-Statue entworfen hat,  aufgenommen habe, und dass dieser ihr erzählt habe, dass sein Vater wegen des Einmarschs sowjetischer Truppen während des "Prager Frühlings" aus der Kommunistischen Partei ausgetreten sei. So viel, so gewichtig. Dass die MLPD, die eben diese Statue morgen enthüllen wird, den Einmarsch der sowjetischen Sozialimperialisten in die Tschechoslowakei bis heute ebenfalls kritisiert, war Frau Lamest wohl entgangen...

 

Deshalb: Lenin kommt nach Gelsenkirchen! „Gib Antikommunismus keine Chance!“

 

Hier geht es zur Homepage der Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!"