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TKSE Duisburg – Stolz auf selbständigen Streik

Am gestrigen Samstag wurde der Streik durch die Mittagsschicht des Kaltwalzwerks 1 (KW1) erfolgreich fortgeführt. Der konkrete Anlass für den Streik ist die Entlassung eines befristet eingestellten Kollegen, dessen Jahresvertrag jetzt ausläuft - dagegen traten zunächst 20 Kollegen in den Streik. Um 18 Uhr gab es eine Kundgebung vor Tor 4¹.

Von Korrespondenz
TKSE Duisburg – Stolz auf selbständigen Streik
Bild vom Stahlaktionstag 2019 in Duisburg (rf-foto)

Gestern traf sich die Mittagsschicht samt einigen Leuten von der Frühschicht mit der noch anwesenden Nachtschicht - zur Beratung der bisherigen Erfahrungen und über die Weiterführung des Streiks.

 

Die Kolleginnen und Kollegen bei TKSE Duisburg stehen selbstbewusst und stolz zu ihrem Streik. Sie sind stinksauer, wie mit ihnen umgesprungen wird: „Die machen einen hier kaputt - das ist doch nicht mehr normal. Ich bin jetzt 45 Jahre hier und so schlimm war es noch nie, die fahren die Anlagen einfach mit zu wenig Leuten! Die Vorarbeiter machen sich ein schönes Leben, während wir uns kaputt schuften.“ (siehe Rote Fahne News)

 

Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, verschiedene Kollegen warnten davor, auf das angekündigte Gespräch mit den Chefs, das diese am morgigen Montag, 22. Juni, um 8 Uhr, führen wollen, zu vertrauen. Das bestätigten auch solidarisch teilnehmende Kolleginnen und Kollegen aus anderen Werken anhand ihrer Erfahrungen. Mehrere Streikende betonten: Es schwächt unsere Position, wenn wir den Druck, den wir durch den Streik aufgebaut haben, rausnehmen. Weiterstreiken! Auch weil da noch viel mehr auf uns zukommt.

 

Vertreter der MLPD sicherten zu, weitere Solidarität zu organisieren, ganz im Sinn Lenins, dessen Statue gestern in Gelsenkirchen festlich aufgestellt wurde (siehe Rote Fahne News). Kollegen, Gewerkschafter von TKSE aus Dortmund und Bochum brachten ihre Erfahrung ein, dass die Chefs alles, auch Druck und Repressalien, versuchen werden und dass dagegen der Streik die einzig richtige Antwort ist.

 

Die Arbeiter bestellten den neuen Werksleiter, Dr. Igellbüscher, ans Tor. Als zwei von den Chefs kamen, weigerten sie sich, den Kollegen vor dem Tor Rede und Antwort zu stehen – das sei kein Werksgelände und hier seien ja auch Betriebsfremde. Und sie machten Druck: Bei jedem, der jetzt nicht mit reinkomme, werde das als Arbeitsverweigerung mit Konsequenzen gewertet. Darauf berieten die Kollegen nochmal und entschieden sich schließlich, reinzugehen und sich hinter dem Werkstor weiter zu versammeln, um die Chefs weiter zur Rede zu stellen.

 

Nach etwa einer Stunde war klar: Die Kollegen lassen sich auf keinen (faulen) Kompromiss ein. Es gibt keine Einigung, so lange TKSE daran festhält, einen Kollegen von jetzt auf gleich zum Arbeitsamt zu schicken.

 

Der Streik wurde daraufhin vorerst beendet – voller Stolz auf das Signal, das die Kolleginnen und Kollegen gegen die Angriffe auf die Arbeitsplätze, auf die Zukunft der Jugend gesetzt haben. In diesem Sinn wird beharrlich an der Forderung festgehalten, den befristet eingestellten Kollegen unbefristet weiterzubeschäftigen. Morgen um 8 Uhr ist dazu vor der Waschkaue eine große Versammlung geplant. Dafür sollen jetzt noch weitere Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereich informiert und als Unterstützer gewonnen werden.

 

Die Solidarität mit diesem Kampf ist wichtig, denn in vielen Großbetrieben wird bereits eine massenhafte Arbeitsplatzvernichtung angekündigt und durchgeführt. Kündigungen bei Leiharbeitern oder Befristeten bereiten auch allgemeine Massenentlassungen vor. Die MLPD unterstützt den Kampf um jeden Arbeitsplatz und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

 

  • Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht!
  • Es lebe die Arbeitersolidarität!