Corona-Hotspots

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Nur ein Problem der Fleischindustrie?

Nach tagelangem Hin und Her hat die NRW-Landesregierung am 23.Juni einen regionalen „Lockdown“ von zunächst einer Woche für die Kreise Gütersloh und Warendorf beschlossen.

Von gb
Nur ein Problem der Fleischindustrie?
Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück (foto: daidalus (CC BY-SA 3.0))

Weit über 1.500 Mitarbeiter der Tönnies-Fleischfabrik waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Also erneute Schließung von Geschäften und Wirtschaften, die Existenz von vielen dieser Kleinbetriebe dürfte damit vernichtet sein.

 

Kinder und Eltern haben den Schaden. Und nicht zuletzt bedeutet das wieder erhebliche Kontaktbeschränkungen sowie Zurückweisung von Urlaubern aus diesen Landkreisen. Die betroffenen Menschen, fast 700.000, sind zurecht stinksauer. Bei Protestdemonstrationen, von Schalke-Fanclubs und in Online-Unterschriftensammlungen wird die Forderung nach sofortigem Rücktritt des „Fleischbarons“ Clemens Tönnies laut.

Fleischfabriken ein Problem – alles andere gut?

Die Zustände in der Massentierhaltung und den damit verknüpften Fleischfabriken sind ein Skandal – und das ist schon seit Jahren bekannt, auch der Regierung und den Behörden. Nur gemacht haben sie bisher nichts, sondern die unmenschliche Überausbeutung der vorwiegend osteuropäischen Arbeiter, die über Vertragsunternehmer beschäftigt werden, gedeckt und ermöglicht.

 

Die Kritik der Laschet-Regierung an Tönnies ist genauso geheuchelt wie dessen salbungsvolle Beteuerungen, er werde jetzt „alles“ ändern. Zwölf-Stunden-Schichten, knochenharte Arbeit bei 10 Grad, ständig angetrieben und angebrüllt zu werden bei extrem schnell laufenden Bändern – das ist Alltag in den Betrieben von Tönnies und Konsorten.

Bessere Infektions-Bedingungen kann sich Corona nicht wünschen!

Der Bonner Medizinprofessor Martin Exner deckte am 24. Juni im Rahmen einer Begehung bei Tönnies auf, dass die erwärmte Hallenluft abgesaugt und heruntergekühlt und dann wieder komplett in die Halle zurückgeblasen wird – ohne jede Filterung! Das bedeutet: virushaltige Aerosole werden regelrecht eingesammelt und „gut durchmischt“ wieder in der ganzen Halle verteilt.

 

An den Bändern wie in den Wohnungen sind die Kontraktarbeiter zusammengepfercht, durch die schlechten Wohn- und Arbeitsbedingungen ist das Immunsystem geschwächt – bessere Infektions-Bedingungen kann sich Corona nicht wünschen! Zurecht warnt der DGB Gütersloh jetzt vor Pseudo-Reformen in der Fleischindustrie, wie dass Sub-Subunternehmen dann zu „Tochtergesellschaften“ umfrisiert werden.

 

Die Zahl der bestätigten weltweit Infizierten wird in diesen Tagen die 10 Millionen Marke übersteigen, die Zahl der Toten die 500.000er Grenze. In Deutschland wird sich die „zweite Welle“ nur verhindern lassen, wenn Massentests und breiter Gesundheitsschutz durchgesetzt werden – im Kampf gegen Monopole und Staat!