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Protest gegen geplante Krankenhausschließungen

Das müsste jeden Anhänger der katholischen Kirche nachdenklich stimmen: Die katholische Contilia-Krankenhausgruppe will Neubaupläne für Krankenhäuser verwerfen und jetzt sogar die Krankenhäuser in Essen-Altenessen und Essen-Stoppenberg schließen!

Von Korrespondenten
Protest gegen geplante Krankenhausschließungen
Demonstration gegen die angedrohten Krankenhausschließungen (rf-foto)

Dagegen gingen die Bürger aus dem Essener Norden vor kurzem mit völligem Recht auf die Straße, viele andere schlossen sich der Demonstration an. Sie protestierten gegen die bis Ende des Jahres geplante Schließung von zwei der insgesamt drei im Norden der Stadt ansässigen Krankenhäuser – gemeinsam mit zahlreichen Beschäftigten der betroffenen Kliniken Marienhospital und St. Vincenz.

 

Deren Arbeitsplätze stehen jetzt auf dem Spiel. Auf Bitten von Beschäftigten hatte der Ratsherr des Sozial-Liberalen Bündnisses (SLB), Endruschat - früher SPD-Vize, noch früher Grünen-Ratsherr - die Leitung der Kundgebung übernommen.

 

Mit der Schließung hätten die besonders bevölkerungsreichen Stadtteile nördlich der A40 praktisch keine wohnortnahe klinische Versorgung mehr. Ausgerechnet die Gynäkologie soll sogar schon Ende September liquidiert werden. Neben Fassungslosigkeit über diesen Kahlschlag war auch viel Wut zu spüren, wie sie z.B. in einem selbst gemalten Plakat mit dem Text "Gestern Helden, heute Arschtritt" zum Ausdruck kam. Weder das Land NRW noch das Bistum Essen noch die bürgerlichen Parteien werden das Stoppen der Investitionen in das Gesundheitswesen der Krankenhausträger aufhalten. Alle sind dafür verantwortlich, dass die Gesundheit zu einer Ware verkommen ist!

 

Auch ver.di am Uniklinikum Essen sagt Nein zur Schließung der Krankenhäuser im Essener Norden. In einer Erklärung vom 7. Juli schreiben die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter: "Wir haben den Beschäftigten der von den geplanten Schließungen betroffenen Krankenhäusern solidarische Grüße überbracht. Die Schließungen der Krankenhäuser im Essener Norden sind unverantwortlich! Es darf nicht noch weiter bei der Gesundheitsversorgung gespart werden. Dies geht zu Lasten der Beschäftigten und der Bürger*innen! Deshalb fordern wir, weder Privatisierungen noch Schließung und den Erhalt der Krankenhäuser und aller Arbeitsplätze!"

 

Wie in einem Brennglas bündeln sich hier vor dem Hintergrund der bereits seit ca. zwei Jahren andauernden Weltwirtschafts- und -finanzkrise verschiedene krisenhafte Erscheinungsformen des kapitalistischen Gesundheitswesens: Contilia scheint wirtschaftlich schwer angeschlagen, und versucht sich anscheinend, durch Konzentration auf die besonders profitträchtige medizinische Spitzentechnologie auf Kosten der Menschen im Norden zu sanieren.

 

Einige Freunde und Mitglieder von MLPD, Jugendverband REBELL und Frauenverband Courage nahmen teil. Die MLPD-Vertreter verteidigten ihr Recht, sich durch die mitgebrachte Parteifahne als MLPD sichtbar zu machen, statt in der angeblich "unpolitischen" Kundgebung "unterzutauchen". Ihr Flugblatt stieß auf breites Interesse.

 

Darin schlägt sie vor, sich für folgende Forderungen breit zusammenzuschließen:

  • Erhalt aller drei Kliniken im Essener Norden und in Borbeck!
  • Erhalt aller und Schaffung neuer Arbeitsplätze im Kampf gegen den Pflegenotstand!

 

Sie verbindet das mit dem Kampf für eine sozialistische Gesellschaft, in der wirklich Mensch im Mittelpunkt steht.

 

Hier steht das Flugblatt im pdf-Format zur Verfügung