Diskussionsbeitrag

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Nicht das Kind mit dem Bad ausschütten!

"Es berührt und freut mich sehr", schreibt ein Leser an die Rote-Fahne-Redaktion, "dass innerhalb kurzer Zeit nach dem grausamen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd eine weltweite, riesige Bewegung gegen Rassismus und Unterdrückung entstanden ist. Das war schon lange überfällig!"

Leserbrief
Nicht das Kind mit dem Bad ausschütten!
Foto von Monkey Business Images, shutterstock_13814860

Er bezieht sich auf den kürzlich auf Rote Fahne News veröffentlichten Leserbrief "Farbiger ist ein rassistischer Begriff" und fährt fort:

 

"Der diskriminierende, rassistische, verheerende Umgang mit Menschen nichtweißer Hautfarbe ist systemimmanent nach dem Motto: Teile und herrsche! Dies praktizierten schon die alten Spanier, Portugiesen, Holländer, Franzosen, Engländer und natürlich auch die Deutschen bei ihren imperialistischen Eroberungen.

 

Unterdrückung funktioniert nicht mehr so einfach, denn Unterdrückte wehren sich immer mehr, und es macht mich stolz zu erleben, dass es Organisationen wie die ICOR gibt, die gemeinsam mit dem ILPS den Kampf gegen den Antikommunismus führen, um weltweit und grundsätzlich gegen die Ursache von Diskriminierung und Unterdrückung vorzugehen.

 

Bei der Diskussion um Begrifflichkeiten wird das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Es gibt auf der Welt unzählige verschiedene Menschen mit verschiedenen Hautfarben. Da ist es für mich nicht logisch, dass es jetzt nur noch Schwarze und Weiße geben soll. Das widerspricht jeglicher optischen (und damit materialistischen) Wahrnehmung. Die Spannbreite der menschlichen Hautfarbe reicht vom europäischen weiß bis zum tiefschwarzen Afrikaner. Die Bezeichnung „Farbiger“ bedeutet für mich, dass ein Individuum eben keine weiße Hautfarbe hat, aber auch schwarz sein kann. Die Festlegung der Bezeichnung „schwarz“ für alle Nichtweißen bedeutet für mich eine Diskriminierung von Asiaten, Indigenen, Inuit; selbst viele Nordafrikaner, Araber sind nicht schwarz – aber auch nicht weiß.

 

Deshalb ist die Richtlinie des Presserates zu begrüßen, dass die Hautfarbe oder Ethnie nur zum Verständnis einer Nachricht erwähnt werden soll. Ich unterstütze eine Initiative gegen Rassismus. Die Diskussion um die Begrifflichkeit wird hier auch geführt. Was hier alle eint, ist die Einschätzung, dass es vor allem eine Frage der Klassenlage und des Gesellschaftssystems ist und eben nicht in der Hauptseite die Hautfarbe, obwohl das gerade aus gegebenem Anlass zurecht in den Vordergrund gerückt ist.