Heidelberg

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Pensionsversicherungen – eine zusätzliche fette staatliche Steuereinnahme

Als ich vor kurzem meinen „Bescheid für 2019 über Einkommenssteuersteuer und Solidaritätszuschlag“ erhielt, musste ich mich erst mal setzen und tief Luft holen. Das kann doch wohl nicht wahr sein: über 6.700 € soll ich ans Finanzamt zurück zahlen.

Korrespondenz

Nachdem ich mich von diesem Schrecken etwas erholt hatte, sah ich mir den Bescheid genauer an und verglich ihn mit dem vom Vorjahr. Obwohl ich 2018 mehr verdient hatte als 2019, wo ich einen Unfall erlitten und längere Zeit ausgefallen war, soll ich mehr zahlen? Da kann was nicht stimmen. Also schrieb ich sofort aufbauend auf den Fakten einen Widerspruch mit Einschreiben und Rückschein ans Finanzamt Heidelberg. Dieser Tage erhielt ich jetzt einen Rückruf. Zu dem Einkommen in 2019 muss auch die Auszahlung meiner betrieblichen Altersversorgung als einmalige Kapitalleistung in Höhe von ca. 21.600 € hinzugerechnet werden. Aus diesem Grund ergibt sich die Forderung nach Rückzahlung von zu wenig gezahlter „Einkommenssteuer und Solidaritätszuschlag“.

 

Im Klartext heißt das jedoch, die sogenannte Pensionsversicherung, die uns Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellte als sogenanntes drittes Standbein bei der Rente angesichts der Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus empfohlen und schmackhaft gemacht worden ist, erweist sich als Trick zur Füllung der Staatskassen. In meinem konkreten Fall werden 28,7% meines angesparten Betrages für die Altersversorge als staatliche Steuern einkassiert.

 

Interessant ist im Fall des Betriebes, in dem ich bis zu meinem Rentenantritt gearbeitet habe, auch der Fakt, dass man die Kolleginnen und Kollegen verpflichtet hatte, an einer der drei „angebotenen Veranstaltungen“ der Victoria-Pensionskasse im Dezember 2003 teilzunehmen. Das Unternehmen hatte zum 1. Dezember 2003 mit der Victoria eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen. Im Laufe der Jahre kamen uns dann immer mehr Bedenken, ob das eigentlich so richtig gewesen ist, Entgeltumwandlungsvereinbarungen mit der Victoria mit monatlichen Beitragszahlungen zwischen 100 und 200 € abzuschließen. Ergo-Eigentümerin ist der weltgrößte Rückversicherungskonzern Munich Re.

 

Anfang August 2011 wurde bekannt, dass die Victoria/Ergo-Versicherung ihren „erfolgreichsten Vertretern“ eine Sexparty mit 20 Prostituierten in Budapest finanziert hatte (Kosten: 83.000 €). Und das bedeutet doch auch, finanziert mit unseren Beiträgen! Ende Oktober 2011 berichtet das Handelsblatt, dass der Versicherungskonzern bis Dezember 2006 einen Helfer der islamistisch-faschistischen Organisation Al Kaida versichert hatte. Rückgängig machen konnte man die Verträge nur, in dem man auf alle bisher eingezahlten Beiträge verzichtet hätte. So bleibt nur die Schlussfolgerung auf diesem Erfahrungshintergrund, die neuen Kolleginnen und Kollegen davor zu warnen, solche Verträge abzuschließen.