Flüchtlinge

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Solidarität mit Michalis Aivaliotis

Die Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International hat einen Solidaritätspakt mit den Flüchtlingen und einheimischen Aktivisten auf der griechischen Insel Moria geschlossen. Daraus ist eine regelrechte Freundschaft entstanden. So schreibt Monika Gärtner-Engel von der MLPD an den Aktivisten Michalis Aivaliotis von der Organisation "Oxi":

Von Monika Gärtner-Engel
Solidarität mit Michalis Aivaliotis
Michalis Aivaliotis (foto: screenshot)

Lieber Michalis Aivaliotis,

(...) Seit einigen Wochen erhältst du Anrufe und Einträge (von Faschisten, Anm. d. Red.) auf Facebook als angebliche „Schande für Griechenland, Verräter“ und sollst „zum Abschuss freigegeben“ werden. Das ist eine hinterhältige und feige Methode, ab von der Öffentlichkeit in der Anonymität des Internets und per Telefon solche Hassaufrufe zu starten. Es ist eine Methode von Faschisten, die Angst und Schrecken verbreiten wollen.

 

Die Arbeit, die du mit anderen im Camp Moria auf Lesbos machst, ist ein sehr wichtiger Bestandteil der internationalen Solidarität mit der Flüchtlingsbewegung weltweit. Es ist beeindruckend, wie vielfältig sie ist: Bildungsarbeit, Müllreduzierung, Brandschutztraining, Hygienetraining. Sie findet unter verschärften Bedingungen statt: mit Aufkommen der Kriminalität im Lager, ungeheuren Spannungen aufgrund von Enge und Perspektivlosigkeit – aber auch inmitten des Aufbruchs einer neuen Kraft, einer organisierten Zusammenarbeit von Flüchtlingen und Inselbewohnern. Gerade die Förderung der Selbstorganisation der Flüchtlinge und ihre enge Verbundenheit mit den „Einheimischen“ ist unseren Gegnern ein Dorn im Auge. Dafür stehst du als Pionier, deswegen nehmen dich die Faschisten ins Visier. Auch islamistische Kräfte im Lager arbeiten gegen deine wichtige Bildungsarbeit von Frauen und Mädchen.

 

Gerade wegen deiner Arbeit aber bist du auch Orientierungspunkt und Vertrauensperson für die Leute im Lager, die Menschen auf Lesbos und in Griechenland und alle Unterstützer des Projekts Moria von Solidarität International, das du förderst. Alle diese Menschen stehen hinter dir! Der größte Gefallen, den man den Faschisten tun kann, ist sich einschüchtern zu lassen und seine Arbeit aufzugeben. Gerade das hast du nicht gemacht und das ist ein Vorbild für alle.

 

Ich selbst wurde im letzten Jahr von vielen Morddrohungen und Hetze im Internet verfolgt; Genossinnen und Genossen von mir wurden die Reifen aufgestochen (aber so, dass es nicht sichtbar war und nur bei schnellem Tempo die Reifen geplatzt wären), oder stehen auf „Todeslisten“. Aber wir vertreten immer, dass es wichtig ist, die Drohungen öffentlich zu machen, keinen Fuß breit zurückzugehen und auch nie zu kapitulieren. So haben wir auch zumindest einen der Haupttäter dingfest machen können. Er ist zugleich wegen Kinderpornographie angeklagt und jetzt berechtigt im Gefängnis. Wer kämpft, kann gewinnen – wer nicht kämpft, hat schon verloren!

 

Lieber Michalis, die MLPD ist eine Arbeiterpartei und vertritt den echten Sozialismus, wie ihn Marx und Lenin sich vorstellten und verwirklicht haben. Seit Mitte der Fünfzigerjahre war das aber in den früheren sozialistischen Ländern wie der Sowjetunion nicht mehr der Fall – trotz sozialistischer Phrasen. So haben wir viel Arbeit, dem Sozialismus neues Ansehen zu verschaffen. In Deutschland ist der Antikommunismus Staatsreligion, da gibt es natürlich viel Gegenwind. Aber bekanntlich ist das der, der einen besonders stark macht! Für einen neuen Anlauf im Kampf um den Sozialismus müssen wir aus allen Errungenschaften und großartigen Erfolgen, aber auch Fehlern und Verbrechen lernen und unsere Schlussfolgerungen ziehen. Die tiefe Weltwirtschafts- und Finanzkrise in Wechselwirkung mit der Corona-Krise und nicht zuletzt die imperialistische Flüchtlingspolitik machen deutlich, wie menschenverachtend und überholt dieses System ist. Immer mehr Menschen suchen nach einer gesellschaftlichen Alternative und das ist auch richtig!

 

Die MLPD, ihre Jugendorganisation REBELL und die Kinderorganisation ROTFÜCHSE schicken dir herzliche solidarische Grüße. Lass dich nicht unterkriegen, du hast Freunde weit über die Ländergrenzen Griechenlands hinweg – auf jeden Fall in Deutschland! Gerne machen wir, wenn du einverstanden bist, deinen Fall über unsere Öffentlichkeitsarbeit bekannt.