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Warum öffnen Schulen so schnell wieder?

Es gibt offensichtlich einen enormen Druck, Schulen und Kindergärten wieder zu öffnen. Dabei wird so getan, als ob sich die Schüler keinen Zeitverlust für ihre Prüfungen und ihren Schulabschluss leisten dürften.

Korrespondenz aus Saarbrücken
Warum öffnen Schulen so schnell wieder?

Dabei hat es in der Geschichte der BRD schon ganz andere schulische Brüche gegeben. In Niedersachsen gab es 1966 ein Kurzschuljahr zur bundesweiten Angleichung des Schuljahres. Die Gesamtschulzeit wurde einfach um ein halbes Jahr gekürzt. Im Saarland gab es aus demselben Grund sogar zwei Kurzschuljahre. Das hat der Gesamtausbildung keinen Abbruch getan. Verlängerung des Schuljahrs mit Verschiebung sämtlicher Abschlüsse um ein Vierteljahr wäre auch heute problemlos machbar. Darin liegt also nicht die Ursache.

 

Der Druck rührt offenbar daher, dass die kapitalistische Produktion wieder voll hochgefahren werden soll, und das sonst nicht richtig funktioniert. Um die Corona-Krise in den Griff zu bekommen, hat die Regierung nur die eine Möglichkeit gesehen, den Teil „Kindererziehung“ aus den öffentlich zu erledigenden Aufgaben vollständig in die Familien zurückzugeben, um über Kontaktsperren die Verbreitung des Virus zu hemmen. Das hat nicht nur die Familien bis an die Grenze belastet sondern brachte auch Teile der Produktion ins Stocken.

 

Erscheinungen sind:

  • Notbetreuung für Kleinkinder, wenn die Eltern zu notwendigen Arbeiten mussten.
  • Homeoffice und damit auch Einschränkung der Arbeitsleistung wegen der Kinderbetreuung.
  • Ausfall Alleinerziehender für die Produktion.
  • Erhöhung der Lebenshaltungskosten, weil z. B. das günstige Schulessen ausfiel.

 

Das heißt: Die Rückführung dieser Aufgaben in die (Kleinst-)Familien hat direkte Auswirkungen auf den einheitlichen Prozess von Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens. Es entstand schnell ein ziemlicher Druck, diese Rückführung wieder zurückzunehmen. In der Tendenz löst sich also die allgemeine Bedingung der unbezahlten Hausarbeit für das Funktionieren des Lohnsystems auf und schlägt um in das Gegenteil: Die öffentliche Wahrnehmung solcher Aufgaben wird zur Bedingung für sein Funktionieren.

 

In einer sozialistischen Gesellschaft werden beste Möglichkeiten bestehen, gestützt auf die Beschäftigten und Ehrenamtliche, in einer solchen Situation - so sie nicht verhindert werden kann - kleine Gruppen zu bilden, so dass für die Kinder sowohl der soziale Kontakt als auch der Gesundheitschutz gewährleistet wird. Ein Armutszeugnis für den Kapitalismus, dass es dafür in einem reichen Land wie Deutschland weder genügend Personal noch Räume noch Geld gibt.