Jüdische Stimme für gerechten Frieden

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Jüdische Wissenschaftler und Künstler für Ablösung von Felix Klein

Am 10. Juli 2020 forderten zahlreiche jüdische Gelehrte und Künstler aus Israel und anderen Ländern, von denen viele auf Antisemitismus- und Holocaustforschung spezialisiert sind, neuerlich die Ablösung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein. Dies hatten sie bereits am 30. April nach dessen schändlichem Angriff auf Prof. Achille Mbembe gefordert.

Offener Brief
Jüdische Wissenschaftler und Künstler für Ablösung von Felix Klein
Prof. Dr. Moshe Zuckermann, einer der Initiatoren des offenen Briefs. Foto: Von Arne List - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6559924

Rote Fahne News hatte berichtet, wie die reaktionäre Hetzkampagne gegen Achille Mbembe zum Rohrkrepierer wurde.

 

Die Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler schreiben: "Jetzt sind uns Äußerungen zur Kenntnis gekommen, die Sie in einer Rede am 30. Juni getätigt haben. In Anwesenheit von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey sagten Sie: 'Wir alle wissen, vielleicht, meine Damen und Herren, dass gerade der Antisemitismus aus dem linksliberalen Milieu auch mir persönlich in den letzten Wochen das Leben durchaus etwas schwerer gemacht hat. Aber auch wenn rechte Erzählungen zurzeit höheres Gewaltpotential haben, dürfen wir diesen Bereich nicht unterschätzen.'

 

Diese Aussage lehnen wir entschieden ab. Sie werden nicht von 'linksliberalen Antisemiten' schikaniert, sondern Juden und Nichtjuden protestieren gegen die Art und Weise, in der Sie den Kampf gegen Antisemitismus missbräuchlich einsetzen – auf Kosten der Redefreiheit und grundlegender Bürgerrechte und im Endeffekt auch der Bekämpfung von Antisemitismus selbst. ...

 

Ihre oben zitierte Äußerung ist zutiefst beleidigend. Sie haben uns und viele andere, die Sie in legitimer Weise kritisieren, im Grunde als Antisemiten bezeichnet. Dafür verlangen wir eine Entschuldigung. Es zeugt außerdem von Ihrem verzerrten Verständnis für die akute Gefahr, der Juden in Deutschland aufgrund der Zunahme des rechtsextremen Antisemitismus ausgesetzt sind. Ohne zu zögern vergleichen Sie 'linksliberale' Kritik mit rechter Gewalt und bestehen darauf, dass Ersteres nicht zu unterschätzen sei. ...

 

Wir alle hatten gehofft, dass dieses (unser) Urteil Sie motivieren würde, Ihre Aufmerksamkeit auf die tatsächlichen Gefahren des Antisemitismus in Deutschland zu verlagern. ... Sie vermögen nicht, zwischen legitimer Kritik und echtem Antisemitismus zu unterscheiden. Während sich die israelische Regierung auf die offizielle Annexion von Teilen des Westjordanlandes zubewegt und der Bedarf an lauter internationaler Kritik und Opposition nur zunimmt, schrecken Sie die öffentliche und politische Debatte in Deutschland und darüber hinaus immer wieder ab. ...

 

Wir fordern Sie zum Rücktritt auf."

 

Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

 

Die MLPD, selbst von der "Antisemitismuskeule" betroffen, ist solidarisch mit den Autoren und unterstützt die Forderung nach Ablösung von Felix Klein.