Die Hetze hat System

Die Hetze hat System

Karl Marx verunglimpft

Am 14. Juli brachte die sonst häufig gute und kritische ZDF-Kabarettsendung „Die Anstalt" eine verzerrende Hetze, dass Karl Marx Rassist gewesen sei. Willkürliche Zitate aus persönlichen Briefen wurden herausgepickt und gleichgesetzt mit zwei Propagandisten, die tatsächlich eine rassistische Theorie entwickelt hatten.

Von cg
Karl Marx verunglimpft
Karl Marx in Chemnitz (foto: Zairon (CC 0))

Es ist ein Armutszeugnis für dieses ansonsten oft gut recherchierende Team von „Die Anstalt", dass sie dazu ohne eigene allseitige Recherche einfach nachplapperten, was seit einigen Wochen durch die Medien geistert. Am gleichen Tag verhüllte die faschistoide AfD-Politikerin Beatrix von Storch gemeinsam mit der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" am Strausberger Platz in Berlin eine Marx-Büste mit einem Plastiksack mit der Begründung, Marx sei ein übler Rassist und Antisemit gewesen. Eine Aktion ausgerechnet der erwiesenen Rassisetn der AfD! Immerhin ermittelt der Staatsschutz dagegen. Allerdings lediglich wegen "Verstoß gegen das Versammlungsgesetz".

 

Die Macher von „Neues aus der Anstalt“ sowie die AfD verwandten dafür exakt die gleichen wenigen Zitaten aus persönlichen - oft polemischen - Briefen von Marx und Engels, die tatsächlich in ihrer Wortwahl aus heutiger Sicht nicht akzeptabel sind. Interessant ist dabei die Methode der bürgerlichen Meinungsmacher: Erstmals wurden diese Zitate am 16. Juni in ntv vom dem ultrareaktionären Publizisten Wolfram Weimer - früher Chefredakteur der Zeitungen Die Welt, focus und Cicero - in die Welt gesetzt. Seither werden sie von zahlreichen bürgerlichen Medien begierig wiederholt. Tatsächlich ist seit der Zeit damals die Sensibilität gegen unachtsam verwendete diskriminierende Begriffe erheblich gewachsen. Allerdings gehört schon böse Absicht dazu, mit einigen Zitaten das Gesamtwerk von Karl Marx in Theorie und Praxis zu verdammen.

 

Der Marxismus ist eine flammende Kampfansage gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus. Marx war Internationalist in Wort und Tat und Begründer der kommunistischen Freiheitsideologie. Sein ganzes Werk war geprägt von der Leitlinie, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." Für Marxisten gibt es daher keine Menschen erster und zweiter Klasse. Marx und Engels bekämpften jeden Nationalismus: „Die Arbeiter haben kein Vaterland.“ schrieben sie im „Manifest der kommunistischen Partei“. Stattdessen propagierten sie den proletarischen Internationalismus: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“

 

Sie verurteilten die rassistische Ideologie des Antisemitismus. Zwischen Karl Marx und Friedrich Engels herrschte eine intensive und sehr produktive Arbeitsfreundschaft. Sie wussten, dass theoretische Arbeit der Diskussion und des Austauschs bedarf. Sie legten größten Wert auf die Meinung des jeweils anderen. Man kann mit Fug und Recht davon ausgehen, dass Friedrich Engels' Positionierung gegen den Antisemitismus mit dem Standpunkt von Marx identisch war: „Der Antisemitismus ist also nichts anderes als eine Reaktion mittelalterlicher, untergehender Gesellschaftsschichten gegen die moderne Gesellschaft, die wesentlich aus Kapitalisten und Lohnarbeitern besteht, und dient daher nur reaktionären Zwecken unter scheinbar sozialistischem Deckmantel; er ist eine Abart des feudalen Sozialismus, und damit können wir nichts zu schaffen haben. (…)"

 

Den Brief von Friedrich Engels gibt es hier auf Rote Fahne News in einer ausführlicheren Version

 

Marx war entschiedener Gegner der Sklaverei, die bis heute nie überwundene Wurzel des besonderen Rassismus in den USA. So schrieb er: „In den Vereinigten Staaten von Nordamerika blieb jede selbstständige Arbeiterbewegung gelähmt, solange die Sklaverei einen Teil der Republik verunstaltete. Die Arbeit in weißer Haut kann sich nicht emanzipieren, wo sie in schwarzer Haut gebrandmarkt wird. Aber aus dem Tod der Sklaverei entsproß sofort ein neu verjüngtes Leben.“

 

Marx empört sich ebenso über die rassistisch und religiös begründete Unterdrückung der Balkanvölker durch das osmanische Reich, der indischen Völker oder der Iren durch den britischen Kolonialismus, der indigenen Völker durch den spanischen, französischen und US-amerikanischen Kolonialismus, der Nordafrikaner durch den französischen Imperialismus ...

 

Karl Marx war der theoretische und politische Vorkämpfer der internationalen Arbeiterbewegung der 1. Internationalen und hat sich Jahrzehnte für den internationalen Zusammenschluss der Arbeiter eingesetzt – unabhängig von Nationalität, Religion oder Herkunft. Diese niederträchtigen Angriffe der bürgerlichen Medien sowie der AfD auf Karl Marx sind ein Grund mehr, den Aufbau eines Marx-Denkmals vor der Zentrale der MLPD auch finanziell zu unterstützen: Mit der crowdfunding-Kampagne "Für ein Karl-Marx-Denkmal – neben der Lenin-Statue in Gelsenkirchen!"