Hamburg-Altona

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Würdiges Gedenken an den Altonaer Blutsonntag

Am 17. Juli 1932 organisierten Faschisten eine gezielte Provokation mit einer Demonstration durch das rote Altona. Ihr Ziel war die Einschüchterung der Bevölkerung. Als die Arbeiterbevölkerung von Altona unbewaffnet gegen diese Provokation protestierte, inszenierten die Faschisten einen Schusswechsel. Polizeikräfte schossen blindwütig in die Menge. Die Bilanz: 18 Tote, darunter zwei SA Leute.

Korrespondenz
Würdiges Gedenken an den Altonaer Blutsonntag
Würdiges Gedenken (rf-foto)

Mit der Fälschung von Beweismitteln und massiver Zeugenbeeinflussung wurden die vier Kommunisten August Lütgens, Karl Wolff, Walter Müller und Bruno Tesch wegen des gemeinschaftlichen Mordes an den zwei SA Leuten angeklagt und zum Tode verurteilt. Erst 60 Jahre später beschließt das Landgericht Hamburg 1992 für die vier unschuldig Enthaupteten den Freispruch!

 

Die Hamburger Geschicht- und Kulturwerkstatt gedenkt alljährlich des Altonaer Blutsonntags, so auch am 17. Juli 2020. Bisher gibt es nur einen völlig versteckten Gedenkstein auf einem Spielplatz hinter dem Amtsgericht Altona. Und es sind Anwohner, Rebellen, die Hamburger Geschichts- und Kulturwerkstatt, die den Stein pflegen und ehren. In diesem Jahr stand das Gedenken ganz im Zeichen der Bewegung »Gib Antikommunismus keine Chance!«

 

Die Gedenkfeier umfasste Lieder der Arbeiterbewegung, Porträts der vier ermordeten Kommunisten, aufrüttelnde Beiträge. So die Erinnerung eines ehemaligen Hafenbetriebsrates, dessen Vater als 19-jähriger den Altonaer Blutsonntag erlebte. Seine eindrückliche Mahnung: Niemals diese Geschichte vergessen, wehret den Anfängen!

 

Im Beitrag der MLPD zog Narzisse Nianur die Verbindung zu heute: Fortschrittliche Menschen werden von Faschisten und mit Informationen aus Polizeikreisen ausgestattet mit Mord bedroht, es gibt Anschläge gegen Revolutionäre und bis heute sind die NSU-Morde und ihre Hintergründe nicht aufgeklärt. Einen dieser Morde verübte die NSU in Hamburg am Altonaer Lebensmittelhändler Süleyman Taşköprü.

 

Am Gedenken beteiligten sich junge Menschen, Arbeiter, kämpferische Frauen (u.a. vom Frauenverband Courage), Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Mitglieder der Umweltgewerkschaft, Migranten, Marxisten-Leninisten. Mit ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern - natürlich unter Einhaltung der Gesundheitsmaßnahmen - war es seit vielen Jahren das größte Gedenken!

 

Ausdrücklich bedankten sich viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Initiatoren. Vielen Teilnehmern lag am Herzen, dass das Gedenken für die Zukunft stärkt: Gerade in den Zeiten der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, von Corona- und Umweltkrise brauchen wir eine Bereitschaft, den Kapitalismus infrage zu stellen, uns für eine befreite Gesellschaft zu organisieren. Es war das kommunistische Freiheitsideal, für das die vier mutigen Kämpfer ihr Leben gaben.

 

Noch lange nach der Gedenkfeier gab es viele Gespräche, wurden Adressen ausgetauscht, wurde Geld für die Arbeit gespendet.