Sinti und Roma
2. August: Holocaust-Gedenktag für die Roma
Zwischen März 1943 und Juli 1944 deportierte die SS rund 23 000 überwiegend deutsche Sinti und Roma nach Auschwitz, in einen für sie eingerichteten Abschnitt des Lagers, von der Nazi-Propaganda „Zigeuner-Familienlager“ genannt.
Die Sinti und Roma kamen aus elf europäischen Ländern, fast alle fanden den Tod – in den Gaskammern oder als Folge von Unterernährung, Krankheiten, Misshandlungen. Am 2. August 1944 wurde das Lager aufgelöst: Einige Inhaftierte wurden in andere Konzentrationslager verschleppt, die letzten 4300 Verbliebenen ermordet.
Heute gilt der 2. August als „Europäischer Holocaust-Gedenktag für die Roma“. Jahrzehntelang mussten die Sinti und Roma dafür kämpfen; erst vor fünf Jahren hat das europäische Parlament den Gedenktag ausgerufen. Zuvor hatte es bis 1982 gedauert, bis die BRD offiziell den faschistischen Massenmord an Sinti und Roma anerkannte.
In Deutschland leben heute 70.000 Sinti und Roma. Sie sind immer noch der Diskriminierung ausgesetzt. So gab es die reaktionären Parolen, rumänische Arbeiter für die Infektionen beim verantwortungslosen Schlachtbetrieb Tönnies verantwortlich zu machen. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinit und Roma: „Dass, wenn es zu Seuchen und Epidemien kommt, Juden sowie Sinti und Roma beschuldigt werden, kennen wir schon aus der Geschichte.“ In osteuropäischen Ländern, etwa in Rumänien und Bulgarien, ist die Lage für Sinti und Roma noch schlimmer.
2013 erhielt der aus Gelsenkirchen stammende Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal den "Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung" für sein aufschlussreiches und sorgffältig recherchiertes Buch über die Sinti- und Romavölker in Europa. In der Geschichte dieses Preises, der immer wieder für antikommunistische Machwerke verliehen worden ist, eine rühmliche Ausnahme. Mit diesem Werk leistete er einen wirklichen Beitrag zur Völkerverständigung, wie die Rote Fahne 13/2013 berichtete.