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Schulbeginn - vor der zweiten Corona-Welle?

Die Schulferien gehen dem Ende zu – doch wer ein gesundheitspolitisch und pädagogisch durchdachtes Konzept von der Regierung erwartet hat, wird enttäuscht. „Nächste Woche geht es wieder los mit dem Unterricht – doch wir haben keinerlei Infos, wie eigentlich“, so eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen.

Von lg / hm
Schulbeginn - vor der zweiten Corona-Welle?
(foto: gemeinfrei)

Hier zeigt sich die sich herausbildende Krise des Krisenmanagements der Regierung wohl mit am ausgeprägtesten. Rein zweckmotiviert soll im Interesse der Monopole der Regelbetrieb wieder anlaufen. Denn, wenn die Kinder in der Schule sind, können die Eltern wieder normal arbeiten. Wie sonst ist der Widerspruch zu erklären, dass die Universitäten nach wie vor weitgehend auf Präsenzunterricht verzichten? Andererseits häufen sich die Befürchtungen vor einer zweiten Welle, die mit einem Lockdown die Wirtschaft empfindlich treffen würde. Vor dieses Dilemma gestellt, erzeugen die bürgerlichen Politiker ein unverantwortliches Chaos in der Schulpolitik - auf dem Rücken der Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer und Eltern.

 

Berechtigt warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: „Die Schulöffnungen stellen ein hohes Risiko dar.“ Die Vorsitzende Marlies Tepe wirft zu Recht auf, dass es besser gewesen wäre, wenn die Gesundheitsämter vorab alle Schulen begutachtet und deren Hygienepläne überprüft hätten. Ein Hohn, dass das nicht gemacht worden ist! Schließlich hätte sich dabei herausgestellt, dass ein einfaches Dauerlüften wegen der Aerosole in vielen Klassenzimmern schlicht nicht möglich ist, da Fenster in Schulen vielfach gar nicht geöffnet oder nur gekippt werden können. Ein Elternsprecher aus Mecklenburg-Vorpommern kritisiert zu Recht, dass umfangreiche Hygienekonzepte in den Schulen keinen Sinn machen, wenn die Kinder nach wie vor in überfüllten Schulbussen anfahren. Doch über solch lebensnahen wie im Ernstfall lebensbedrohlichen Problemen schwebt das bürgerliche Krisenmanagement hinweg und wälzt ihre Lösung auf die Betroffenen ab.

 

Obwohl sie ihrer Verantwortung in keinster Weise nachgekommen ist, geht die Schulministerin von NRW, Yvonne Gebauer (FDP), ohne ein Wort der Selbstkritik in die Vollen. Bei Verstößen gegen ihre neue Maskenpflicht an den Schulen des Bundeslands fordert sie: „Wenn sich die Schülerinnen und Schüler konstant nicht … daran halten, kann das auch mit einem Verweis von der Schule bzw. einem vorübergehenden einhergehen.“¹ Zu Recht ist ein solches Vorgehen unter Jugendlichen verhasst: Als Verantwortlicher seine Arbeit schlecht machen, aber den Jugendlichen schon mal mit Strafen drohen. Die richtige Antwort wäre: Wenn sich die Schulministerin konstant nicht an den Interessen der Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer orientiert, muss das zu einem Verweis aus ihrem Amt führen. Und zwar nicht nur vorübergehend.

 

Ein wirklicher Regelbetrieb ist unter den gegebenen Bedingungen momentan nicht möglich. Es braucht endlich ein allseitig durchdachtes Konzept für einen schrittweisen, planmäßigen Schulbetrieb unter andrem unter folgenden Gesichtspunkten: Es müssen allen Schulen und Kindergärten kostenlos Schutzmasken zur Verfügung gestellt werden. Die Maskenpflicht sollte zugleich, wenn irgend möglich, nicht während der gesamten Unterrichtsstunde notwendig sein. Dafür ist nötig: Durch kleinere Klassen oder Lerngruppen (bis zu zehn Schüler) muss ermöglicht werden, dass die Schüler auf ihren Sitzplätzen 1,5 Meter Abstand halten können. Eine geringere Anzahl Anwesender in den Klassenzimmern trägt auch dazu bei, dass dort weniger Aerosole verbreitet werden. Zudem müssen durch eventuelle Umbaumaßnahmen an den Fenstern die Voraussetzungen für ein Dauerlüften geschaffen werden.

 

Es herrscht ein eklatanter Mangel an Lehrkräften und Räumlichkeiten. Es muss ausreichend Lehrpersonal zur Verfügung stehen sowie besondere Förderkräfte für diejenigen Kinder, die in der Corona-Zeit besonders vernachlässigt worden sind. Lehrkräfte werden besonders für möglicherweise rollierenden Unterreicht benötigt. 

 

Es braucht flächendeckende, kostenlose Corona-Tests für alle Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer – zwei Tage vor Beginn des Unterrichts, zehn Tage danach und dann in regelmäßigen Abständen. Es werden mehrere Testzentren in einer Stadt mit medizinischen Fachkräften und Laborkapazitäten gebraucht.

 

Alle Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer und Eltern müssen rechtzeitig über den Ablauf informiert werden. Es muss verhindert werden, dass Schulen zu neuen Hotspots werden, wie es in Israel, USA oder Australien bereits passiert ist.

 

Der REBELL, die Jugendorganisation der MLPD, hat ein angemessenes Schulöffnungskonzept als Sofortprogramm entwickelt, um dessen Verwirklichung der Kampf in den Schulen und mit den Eltern in den Wohngebieten aufgenommen werden muss!

 

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