Corona-Pandemie

Corona-Pandemie

Schulöffnung mit Maskenpflicht?

Für viele Schülerinnen und Schüler beginnt in diesen Tagen das neue Schuljahr. Heute in Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg, am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen. Bereits letzte Woche öffneten die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Die Schulöffnungspolitik der Landesregierungen ist uneinheitlich, auch wenn alle von einer Rückkehr zum Regelbetrieb sprechen.

Von pr
Schulöffnung mit Maskenpflicht?
Schulbeginn unter Corona-Bedingungen (foto: David Tadevosian, shutterstock_1698883147)

Die Wiederaufnahme des Schulunterrichts für alle Schülerinnen und Schüler ist richtig und notwendig, um die Familien zu entlasten, Gemeinschaftsgefühl, Neugier und Lernbereitschaft bei Jugendlichen und Kindern zu fördern und zu befriedigen, Vereinzelung, „Abhängen“ und fehlender Tagesstruktur entgegenzuwirken, sowie natürlich, um einen kollektiven Lernfortschritt im Klassenverbund zu erreichen. Die Online-Bildungsangebote in den letzten Monaten konnten das bei allem Engagement der Masse der Lehrerinnen und Lehrer nicht ersetzen.

 

Von Eltern, Schülern und Lehrern wird allerdings berechtigt kritisiert, dass die von den Konzernen diktierte Art der Schulöffnungen ein unverantwortliches Risiko für den Wiederanstieg der Infektionszahlen bedeutet.

 

Die Gesellschaft für Virologie warnt in einer aktuellen Stellungnahme¹ „vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen.“

 

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich im Auftrag der Konzerne als Oberbeschleuniger bei den Schulöffnungen und allgemeinen Lockerungen hervorgetan. Jetzt bekommt er wegen der wieder steigenden Infektionszahlen kalte Füße. Die Motive für die festgelegte Art der Schulöffnung sind durchsichtig und Ausdruck des Scheiterns des Krisenmanagements der Regierungen. Seit März wurde faktisch nichts unternommen, um eine Beschulung unter sinnvollen Gesundheitsschutzmaßnahmen zu gewährleisten. Dazu hätte gehört: Teilung der Klassen. Maskenpflicht ja, aber auf den Fluren und nicht während des Unterrichts. Kostenlose und regelmäßige Testung. Wiedereröffnugn der zum Teil schon wieder geschlossenen Testzentren. Einhaltung der Sicherheitsabstände konsequent für alle. So kann tatsächlich Unterricht in der Corona-Zeit stattfidnen. All das fordert die MLPD schon seit langem.

 

Stattdessen gibt die NRW-Landesregierung Freitagsmittags Anweisungen an die Kommunen, die bis Montag umgesetzt sein sollen. Die Testung der Lehrer soll außerhalb ihrer Arbeitszeit stattfinden.

(foto: geralt / Pixabay)
(foto: geralt / Pixabay)

Festgelegte Gesundheitsschutzregeln in den Schulen nach Bundesland:

  • Brandenburg: Maskenpflicht in Fluren, Treppenhäusern und Mensen für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, aber nicht in Klassenräumen und auf Schulhöfen, Mindestabstand: 1,5m für Lehrerinnen und Lehrer (nicht für Schülerinnen und Schüler)
  • Berlin: Maskenpflicht für Schulgebäude für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler auf Fluren, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen, nicht jedoch im Unterricht oder auf dem Schulhof. Kein Mindestabstand.
  • Schleswig-Holstein: Regelbetrieb, keine Maskenpflicht. Empfehlung, in den ersten zwei Wochen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, für Lehrerinnen und Lehrer und ab der 7. Klassen
  • Nordrhein-Westfalen: Maskenpflicht auch im Unterricht bis Ende August in allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen.

Damit überhaupt ein Regelunterricht begonnen werden kann, beschloss die NRW-Landesregierung eine allgemeine Maskenpflicht, auch im Unterricht bis Ende August. Das ist schlicht belastend für alle Beteiligten und dafür letztlich kontraproduktiv.

 

Der Berliner Senat hob aus Mangel an Räumlichkeiten das Abstandsgebot auf, anstatt für Abhilfe zu sorgen und in Mecklenburg-Vorpommern mussten die ersten Schulen bereits nach wenigen Tagen aufgrund von Corona-Fällen wieder geschlossen werden.

 

Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer haben in den letzten Monaten mit großer Disziplin und auch mit vielen Entbehrungen die Einschränkungen der Beschulung ertragen und sich in der großen Masse verantwortungsbewusst verhalten. Das Signal das von den Landesregierungen jetzt ausgeht: „Wir können Abstands- und Hygieneregeln in den Schulen nicht einhalten, machen sie aber trotzdem auf, damit die Eltern in den Betrieben zur Ausbeutung zur Verfügung stehen“ bringt die Unterordnung aller gesellschaftlichen Bereiche unter die Profitwirtschaft zum Ausdruck, was grundsätzlich kritisiert werden muss. 1. Weil es die Gefahr einer schweren zweiten Welle hervorruft. 2. weil es die Risiken auf Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer abwälzt, statt zum Beispiel bei rollierendem Unterricht entsprechende Lösungen für die Beschäftigten und ihre Kinderbetreuung zu ermöglichen. 3. Es provoziert eine falsche Sorglosigkeit - nach dem Motto: Wenn in den Bildungseinrichtungen nicht drauf geachtet werden muss, scheint es ja nicht nötig zu sein.

 

Der REBELL, die Jugendorganisation der MLPD, hat ein angemessenes Schulöffnungskonzept als Sofortprogramm entwickelt, worum der Kampf in den Schulen und mit den Eltern aufgenommen werden muss, wofür die Schulöffnung gewachsene Möglichkeiten bietet.  Mehr dazu hier!