Kassel

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„Verhalten war rassistisch und intolerant“

Der folgende Offene Brief (Auszüge) der politischen Aktivistinnen und Aktivisten Brigitte Domes, Birgit Christian, Bettina Restat, Ulrich Restat und Wolfgang Pfannekuch aus Kassel an die Verantwortlichen der Demonstration vom 6. Juni 2020 „Gegen institutionalisierten Rassismus und Polizeigewalt“ kritisiert das Verhalten von Teilnehmern der Demonstration gegenüber einem mitdemonstrierenden Palästinenser:

Offener Brief

--- Leider haben wir erst jetzt von einem palästinensischen Studenten erfahren, dass es auf der Schlusskundgebung am Königsplatz einen Vorfall gab der euer Anliegen konterkariert.

 

Dieser Palästinenser trug ein Plakat, auf dem ein amerikanischer Polizist abgebildet war, der auf dem Brustkorb eines Afro-Amerikaners kniete. Neben ihm kniete ein israelischer Militärpolizist auf einem ebenfalls am Boden liegenden Palästinenser. Die Opfer sind bekannt: Es sind George Floyd und Eyad AL-Hallaq, ein 32-jähriger palästinensischer Autist, der von der israelischen Militärpolizei in unmittelbarer Nähe seiner Behindertenwerkstatt in Ost-Jerusalem erschossen wurde. …

 

Das Plakat sollte sowohl auf die Parallelität der Ereignisse aufmerksam machen, als auch auf den Rassismus, der sowohl den USA als auch in Israel herrscht. Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schlusskundgebung bedrängte den Palästinenser mit der Aufforderung, sofort das Plakat zu entfernen oder damit die Kundgebung zu verlassen. Ein Teilnehmer versuchte sogar, das Plakat zu beschädigen. Die Begründung: das Plakat sei antisemitisch, bzw. „könne antisemitisch gelesen werden.“ Diese Teilnehmer befürworten anscheinend eine rassistische „Opferhierarchie“: Black Lives Matter“, aber palästinensisches Leben nicht! Da sich der Palästinenser beleidigt und auch bedroht fühlte, entfernte er sich schließlich.

 

Wir halten das Verhalten dieser Demonstrationsteilnehmer für rassistisch und Intoleranz, es bekämpft nicht, es fördert Antisemitismus. Warum? Offenbar wurde dem palästinensischen Studenten aufgrund seiner Zuordnung zu einem arabischen Kulturkreis von vornherein eine antisemitische Haltung unterstellt. Seine Beteuerung, er kritisiere doch gar nicht „Juden“, sondern die israelische Besatzung und die Unterdrückung der Palästinenserinnen und Palästinenser durch Armee und Polizei, wurde nicht zur Kenntnis genommen. …