Arbeiterkämpfe

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Wie auf die Ankündigung der Schließung reagieren?

"Rote Fahne News" erhielt dazu eine Korrespondenz eines Kollegen aus einem Betrieb in Norddeutschland.¹

Nach einer überfallartigen Bekanntgabe der Schließung unseres Betriebes war die Belegschaft zunächst geschockt. Nachdem das verdaut war, wurden auf drei Schichten mehrere Betriebsratsinformationen durchgeführt. Auf diesen konnte zum Teil ohne Vorgesetzten diskutiert werden.

 

Es gibt einen intensiven Kampf um die Denkweise, ob eine Stilllegung wirklich zu verhindern ist oder nicht. Dabei wirkt die Angst, wenn gekämpft wird, nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch eine mögliche Abfindung zu verlieren.

 

Auf einer der Betriebsratsinformationen gelang es, intensiv über die Notwendigkeit eines selbständigen Streiks zu diskutieren. Viele Kollegen habe noch keine Vorstellung davon, dass es in Deutschland nur ein sehr eingeschränktes Streikrecht gibt. Das ist auf tarifliche Fragen begrenzt. So wurde gründlich diskutiert, dass es einen großen Unterschied macht, ob wir zu einer Betriebsratsinformation gehen, oder ob eine selbstständige Aktion durchgeführt wird. Diese ist nach dem Gesetz nicht erlaubt, was uns natürlich nicht abhalten soll, und sie wird auch nicht bezahlt. Es wurde diskutiert, dass dies eine hohe Anforderung ist, an der wir gemeinsam arbeiten müssen. Beschlossen wurde, dass man sich darüber auseinandersetzt und dass man einig gegen jegliche Repression seitens der Geschäftsführung vorgeht.

 

Eine weitere wichtige Diskussion bezog sich darauf, dass Kollegen zu Recht kritisiert werden können oder müssen, wenn sie sich nicht an Aktionen beteiligen. Aber auf keinen Fall richtig ist es, Kollegen zu verurteilen. Schließlich ist es für uns alle eine neue bisher nie dagewesene Situation, die zunächst auch verarbeitet werden muss. Viele Kollegen erklärten, dass sie zunächst mal die Vorgänge in ihrer Familie diskutieren müssen. Es ist uns klar, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen. Es kommt auf eine zielstrebige, aber auch geduldige systematische Überzeugungsarbeit an.