Süddeutschland

Süddeutschland

Korrespondenz aus dem Betrieb in Norddeutschland mit Interesse gelesen

Liebe "Rote Fahne News", mit Interesse habe ich die Korrespondenz aus dem Betrieb aus Norddeutschland gelesen, in der es darum geht, wie eine Belegschaft die angekündigte Schließung des Betriebs verarbeitet.¹ Viele Menschen stehen gegenwärtig vor diesem Problem. Auch in unserem Betrieb ist eine Stilllegung angekündigt. Auch hier gibt es ein Wechselbad von Gefühlen zwischen Ärger, Wut, Resignation und Kampfgeist.

Korrespondenz

Ich möchte aber mitteilen, dass wir von den Opelanern gelernt haben. Wir führen öfter Pausenversammlungen durch. So diskutieren wir intensiv, teilweise heftig und kreuz und quer, über notwendige Schritte in den Pausen, die dann auch schon mal länger dauern. So heftig sie sind, so schön heißt das Gefühl hinterher, dass die Kollegen mal ihre richtige Meinung gesagt haben.

 

Auch wir sehen die Notwendigkeit, einen Streik auf die Beine zu stellen. Das ist in der Tat nicht einfach. Das müssen wir selber organisieren. Es gibt natürlich Angst vor dem Schritt, selbstständig zu streiken. Aber die Kollegen sagen, eigentlich sei es richtig, aber nur, „wenn alle mitmachen“. Dann können wir das tun. Sofort kommt natürlich auch die Diskussion hoch, dass die örtliche IG-Metall–Führung zu wenig macht. Heftig gestritten haben wir über die Haltung „die IG Metall kannst du in die Tonne hauen“.

 

Die IG Metall kann keinen selbstständigen Streik organisieren, weil Gewerkschaften nur für tarifliche Belange außerhalb der Friedenspflicht streiken dürfen. Aber man kann und muss von der Gewerkschaft verlangen, dass sie uns nach allen Kräften unterstützt. Das kann zum Beispiel gut durch Aktionstage gemacht werden. Das bietet gute Möglichkeiten, an die Öffentlichkeit zu gehen, den Kontakt zu anderen Betrieben herzustellen, und auch die Leute zu organisieren. Das abzulehnen, schwächt unsere Kräfte. Also müssen wir in der IG Metall eine intensive Auseinandersetzung führen, verbunden damit, einen selbstständigen Kampf vorzubereiten und daraufhin zu arbeiten.

 

Auf der Versammlung ging es hoch her. Bei allem Ärgernis über die Nachtschichtarbeit war das eine erfreuliche Nachtschicht.