Eckpunkte-Papier

Eckpunkte-Papier

Entschiedener Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung bei MAN Energy-Solutions!

Anfang August als Hochglanzpapier im Betrieb verteilt und in der Presse hochgelobt wurde das gemeinsame Eckpunkte-Papier des Vorstands von MAN Energy Solutions (ES), des Betriebsrats und der örtlichen IG-Metall-Führung.

Von Korrespondenten aus Oberhausen
Entschiedener Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung bei MAN Energy-Solutions!
Frühere Protestaktion der MAN-Belegschaft in Oberhausen - auch sie verfügt über wichtige Kampferfahrungen (rf-foto)

Viele Kollegen waren erst einmal sprachlos, hatten Schlafprobleme, mussten sich krankmelden, so tief saß der Schock.

"Zukunftsprogramm"? Horrorkatalog!

Worin bestehen die Eckpunkte dieses zynisch „Zukunftsprogramm“ genannten Horrorkatalogs? Von weltweit 14.000 Arbeitsplätzen sollen 2.600 Arbeitsplätze (18,6 Prozent) vernichtet werden. Davon 151 in Berlin, 145 in Hamburg, 800 in Augsburg und 318 beziehungsweise 446 in Oberhausen, falls die Gasturbine ein Jahr später geschlossen wird. Von den insgesamt 2.600 Arbeitsplätzen sollen also 1.650 in Deutschland und 950 im Ausland vernichtet werden.


In den Jahren 2021, 2022, 2023 sollen zusammen 450 Millionen Euro zusätzlich aus den Belegschaften gepresst werden. Davon sollen jährlich 40 Millionen, insgesamt 120 Millionen Euro, durch Kürzung von Löhnen und Gehältern sowie durch Streichung von Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld.


Die Steigerung der Ausbeutung ist der Kern der Sache. So gibt es jetzt schon stark unterbesetzte Bereiche, wo regelmäßig Überstunden verlangt werden. Die Vorsteuerrendite von MAN ES, die 4,3 Prozent in 2018 und 3,9 Prozent in 2019 betrug, soll bis 2024 auf 9 Prozent gesteigert werden. Keine Abwälzung der Krisenlasten auf die Arbeiter und Angestellten!

Fundamentaler Angriff

Das Tarifergebnis aus Bayern soll künftig als Haustarif übernommen werden. Bedeutet das für die Belegschaften in Oberhausen, Hamburg und Berlin, dass sie zukünftig nicht mehr an Metalltarifrunden beteiligt wären und nur noch für ihren Haustarifvertrag kämpfen könnten? Das bedeutet eine Zersplitterung der gewerkschaftlichen Kampfkraft und einen fundamentalen Angriff auf erkämpfte tarifliche Rechte.

 

Verteidigung der Gewerkschaftseinheit, des Flächentarifvertrags und aller erkämpften tariflichen Rechte! Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht!


Müssen sich die Belegschaften nun damit zufrieden geben? Wurde in den Verhandlungen bereits um die Arbeitsplätze „gekämpft und zumindest fast die Hälfte gerettet“, wie der Betriebsratsvorsitzende von MAN ES in Oberhausen behauptet - oder geht es nur darum, uns zu erpressen? Das war „eine alte Masche“, sagt ein Kollege treffend. „Willst du 2.600 loswerden, fängst du bei 4.000 an und erzählst, dass hart und lange verhandelt wurde.“

"Recht auf aktive Mitgestaltung" nützen?

„Lasst uns gemeinsam aktiv gegen diesen Stellenabbau kämpfen“, schreibt die IG-Metall-Vertrauenskörperleitung in Oberhausen in ihrem Flugblatt vom August und „Lasst uns endlich unsern Hintern vom Stuhl heben“.


Allerdings gibt es kein „Recht auf aktive Mitgestaltung“, das nur eingefordert werden muss, wie die Vertrauenskörperleitung schreibt. Was hier zutage tritt, ist keine Mitbestimmung, keine „freiheitliche“ oder „demokratische Grundordnung“, sondern die nackte Diktatur der Monopole.

 

Der „enorme Kraftakt“1 von Vorstand und Gesamtbetriebsrat hat bisher keinen Arbeitsplatz gerettet, sondern dient einzig und allein dazu, die Ausbeutungsoffensive des VW-Konzerns2 fortzuschreiben.

Standortübergreifender Kampf angesagt

Stattdessen ist es notwendig, den entschiedenen standortübergreifenden Kampf der Belegschaften um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz zu organisieren, ein gemeinsames Kampfprogramm dafür zu entwickeln und vor allem von den Erfahrungen des erfolgreichen Kampfs der Bochumer Opelaner zu lernen. Das Buch "Was bleibt … 10 erkämpfte Jahre Opel-Bochum 2004-2014“ ist dafür von unschätzbarem Wert.

 

Die Unterschriftensammlung von Montagsdemonstration, MLPD und SPD in Oberhausen zur Solidarität mit den MAN-Beschäftigten ist dafür zweifellos eine Unterstützung, kann den Kampf der Belegschaften aber nicht ersetzen. Wegen Corona verspätet, finden heute die gewerkschaftlichen Vertrauensleute-Wahlen in Oberhausen statt. Eine gute Gelegenheit, kämpferische Kollegen zu wählen. Auch Interessierte für einen Solidaritätskreis wurden bereits gefunden.

 

Das Buch kann für 17,50 Euro bei People to People bestellt werden. Als ePDF kostet es 13,99 Euro.