Hanau

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Bewegendes Gedenken an die Opfer des faschistischen Terroranschlags

Am Samstag, 22. August, sollte in Hanau eine Gedenkkundgebung und Demonstration anlässlich des faschistischen Anschlags vor einem halben Jahr mit neun ermordeten Menschen stattfinden. Mit 3.000 bis 5.000 Teilnehmern wurde gerechnet.

Von MLPD-Landesleitung Rheinland-Pfalz/Hessen/Saarland

Auf breite Empörung stieß, dass am Vorabend, nachdem alle Ämter und das Verwaltungsgericht geschlossen waren, Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Kundgebung und Demo wegen wachsender Corona-Gefahr untersagte. Die Veranstalter nahmen das hin, weil sie nicht als „Corona-Leugner“ dastehen wollten.

Über Nacht Livestream organisiert

Mit großer Initiative gelang es der „Initiative 19. Februar“ und anderen, über Nacht einen Livestream in über 50 Städte zu organisieren. So wurden wohl mehr Menschen erreicht als bei der geplanten Demonstration. In Frankfurt am Main war der Livestream an elf Plätzen der Livestream zu sehen.

 

An der Kundgebung in Hanau durften lediglich 249 Menschen teilnehmen. Es sprachen Familienangehörige, Verwandte und Freunde der Opfer. Sie schilderten ihre Sorgen und Nöte, den Verlust und den alltäglichen Rassismus, den sie vor und nach der Tat erleben mussten. Besonders scharf wurden staatliche Stelle und Politiker kritisiert, die kommen, Reden halten und Versprechungen machen, die später nicht eingehalten werden, und wieder gehen. Auf Interesse stieß die Ankündigung des „Aktionstags gegen Rassismus und Antikommunismus“ am 28. August.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Besonders betroffen machte die Schilderung eines Überlebenden, der noch das Auto-Kennzeichen des Täters an die Polizei durchgab, dessen Meldung von der Polizei aber nicht ernst genommen wurde, so dass sie erst eine Stunde später eintraf. Sie brauchten zehn Minuten, bis sie aus ihren Autos stiegen und in die Bar gingen, in der ein Teil der Menschen ermordet wurde.

 

Es sprachen auch noch weitere Betroffene faschistischer Gewalt - aus Wächtersbach, Halle und Mölln. Sie alle fordern lückenlose Aufklärung der verschiedenen Verbrechen und bedankten sich immer wieder für die Solidarität, die sie von den verschiedenen Initiativen und „wildfremden“ Leuten bekamen.