Rassismus

Rassismus

„Wir haben lange geschwiegen, jetzt muss man aufstehen!“

REBELL-Genossen aus Rüsselsheim berichten über Eliott, einen Freund und Bekannten aus Mainz. Nachdem sie von seinen Erfahrungen mit Rassismus hörten und er das auch bekannt machen und dagegen vorgehen will, beschlossen sie, ein Interview mit ihm zu machen.

Von Korrespondenten aus Rüsselsheim
„Wir haben lange geschwiegen, jetzt muss man aufstehen!“
Elliott (links) bei einem Video-Talk (Foto: Video-Sreenshot)

REBELL: Hallo Eliott! Wir freuen uns über das Interview mit dir. Vielleicht kannst du dich zu Beginn kurz vorstellen?

 

Eliott: Vielen Dank, dass ich hier die Gelegenheit habe, zu sprechen. Ich bin Eliott und werde bald 22 Jahre alt, wohne in Mainz und habe vor kurzem ein Studium angefangen. Meine Eltern haben ihre Wurzeln in Ghana.

 

REBELL: Was genau ist passiert? Welche Erfahrungen hast du mit Rassismus?

 

Eliott: Wir sind am Abend des 1. September 2018 in der Schischa-Bar gewesen. Wir waren insgesamt zu fünft und wollten dann etwas essen gehen. Dann kam uns eine Gruppe entgegen mit etwa 12 bis 15 Leuten. Einer von denen nannte uns im Vorbeigehen „Nigger“. Das hat einer von uns gehört und die Gruppe damit konfrontiert. Er ist selber bei der Bundeswehr und war gerade aus dem Auslandseinsatz als deutscher Soldat mit ghanaischen Wurzeln zurückgekommen. Jetzt so bezeichnet zu werden, ist ihm ganz schön nahegegangen.

 

Die Gruppe hat dann einen Halbkreis um uns gebildet. Ein Teil von ihnen hat sich bei uns entschuldigt. Eigentlich hatte sich alles beruhigt. Dann kam aber einer, der laut geworden ist und provoziert hat. Das hat zu einer Schlägerei geführt. Wir haben uns aber vor allem gewehrt, wir waren total in der Unterzahl. Das war Notwehr! Wir hätten so eine Schlägerei nie bewusst anfangen, weil wir nur zu dritt waren.

 

Dann hat einer von der gegnerischen Gruppe meinem Freund (dem Soldaten) ein Flasche auf den Kopf geschlagen. Wir konnten uns aber verteidigen, weil wir Kampfsportler sind. Trotzdem wurden wir angezeigt. Wir sind nicht auf Krawall aus. Aber ist es etwa falsch oder ein Verbrechen, sich in so einer Situation zu verteidigen?


Es kam zu zwei Gerichtsverhandlungen. Die Gruppe hat in ihren Aussagen vor Gericht gelogen und sich widersprochen. Der Typ, der uns als „Nigger“ bezeichnet hat, hat dann aber als einziger die Wahrheit gesagt. Er hat einen Brief geschrieben, in dem er die ganze Sache aufklärte, ihn persönlich unterschrieben und unserem Anwalt überreicht. Obwohl sie also zugegeben haben, dass sie uns so genannt haben und wir nur aus Notwehr gehandelt haben, sind sie völlig straffrei davon gekommen!


Spätestens die Tatsache, dass ein Teil der selben Gruppe, die uns so angegriffen hatte, noch am selben Abend eine Person in einem Bus verprügelt hatte, hätte zur Klarstelllung der Sache dienen müssen. Statt uns zu glauben, hat uns die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass wir den Autor des Briefes „erpresst“ und „unter Druck“ gesetzt hätten. Obwohl dieser vor Gericht mehrmals beteuerte, dass er nicht unter Druck gesetzt wurde, glaubte man uns nicht.


Wir alle waren nicht vorbestraft. Am Ende hat die Richterin mich zu zwei Wochen Jugendarrest und 60 bis 70 Sozialstunden verurteilt und meinen Freund zu vier Wochen Jugendarrest und genauso vielen Sozialstunden. Außerdem zeichnet sich ab, dass wir die Kosten des ganzen Verfahrens tragen werden müssen.


Obwohl ich hier geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, keine Vorstrafen habe, bin ich derzeit staatenlos. Ich habe meinen ghanaischen Pass abgegeben, um deutscher Staatsbürger zu werden. Jetzt besteht die Gefahr, dass ich den deutschen Pass wegen diesem Urteil nicht bekomme. Ich hab zur Zeit nur einen Aufenthaltstitel.


Die Geschichte belastet mich und ich will, dass es ein gerechtes Urteil gibt, wir freigesprochen werden und ich den deutschen Pass bekomme.

 

Hier das gesamte Interview